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Teammanager Bob Stapleton will seine Equipe zusammenhalten, der Name wird sich ändern müssen.

Foto: AP/Maurer

Bonn – Die Deutsche Telekom hatte am Dienstag etwas mitzuteilen. Der Konzern steigt mit sofortiger Wirkung als Sponsor aus dem Radsport aus. Damit zog das Bonner Telekommunikationsunternehmen die Konsequenzen aus den zahlreichen Dopingfällen der Vergangenheit. Österreichs T-Mobile-Profi Bernhard Eisel wurde von der Nachricht überrascht. "Ich bin schockiert", so der 26-Jährige.

Das T-Mobile Team will jedoch unter Leitung von Teammanager Bob Stapleton weiter im Profiradsport bleiben. Stapleton dürfte sich also auf Sponsorsuche begeben, wahrscheinlich ist er schon seit geraumer Zeit unterwegs. Der Ausstieg hatte sich abgezeichnet, jeder Geduldsfaden reißt irgendwann. Vorerst rollen die bisherigen T-Mobile Teams bei Männern und Frauen unter dem neuen Namen „Team High Road“ weiter, wie Stapleton bekanntgab. Der millionenschwere Kalifornier besitzt die ProTour-Lizenz bis 2010.

Alle Fahrer-Verträge sollen erfüllt werden, auch jener von Rolf Aldag als Sportdirektor. Aldag ist nur einer von vielen ehemaligen oder noch aktiven Telekom- oder T-Mobile-Fahrern, die Doping zugegeben haben. Jetzt gehe es darum, beim Weltverband UCI die Umbenennung des Teams auf den Firmennamen Stapletons zu beantragen.

„Die Entscheidung von T-Mobile ist eine Herausforderung für den Sport und unsere Mannschaft“, führte Stapleton in seiner Erklärung aus. „Wir werden unsere Anstrengungen fortsetzen, Erfolg und sauberen Sport zu vereinbaren.“ Für die Auflösung seines Vertrags mit T-Mobile dürfte Stapleton eine satte Abfindung erhalten. Der Wert des Vertrags bis 2010 wird insgesamt auf bis zu 40 Millionen Euro geschätzt.

Seit 1991 hatten sich die Telekom und ihre Tochtergesellschaft T-Mobile als größter Sponsor im deutschen Radsport engagiert. Höhepunkt der Ära waren die Tour-de-France-Siege des Dänen Bjarne Riis (1996) und des Deutschen Jan Ullrich (1997). „Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen, um uns und die Marke T-Mobile von den jüngsten Doping-Erkenntnissen im Sport und speziell im Radsport zu distanzieren. Angesichts unserer langjährigen Unterstützung für den Profiradsport und der Fortschritte, die das Management um Bob Stapleton zuletzt machte, ist uns dies nicht leicht gefallen“, sagte Hamid Akhavan, Telekom-Vorstand und T-Mobile International Vorstandsvorsitzender.

Die T-Mobilisten hatten im Radsport jahrelang als Saubermänner gegolten, dann wurde Ullrich von Ex-Teammasseur Jef D’Hont des Dopings beschuldigt und in die Affäre um den spanischen Arzt Fuentes verstrickt. Der Reihe nach gaben Bert Dietz, Christian Henn, Rolf Aldag, Udo Bölts, Erik Zabel sowie zwei Ärzte der Universität Freiburg zu, Blutdoping betrieben bzw. unterstützt zu haben. Am 25. Mai 2007 gestand auch Riis, nun sportlicher Leiter des dänischen CSC-Teams, er habe jahrelang gedopt. Nur Ullrich schweigt weiter. (fri, sid - DER STANDARD PRINTAUSGABE 28.11. 2007)