Wien - Die kreativen Kraftfelder zwischen Film und Literatur will das Filmarchiv Austria im Dezember im Wiener Metro Kino ausloten. Zum 65. Geburtstag von Peter Handke, den der Autor am 6. Dezember feiert, wird dessen künstlerische Allianz mit dem deutschen Filmemacher Wim Wenders unter die Lupe genommen. "Fragen zur Wahrheit und Wahrhaftigkeit der Bilder werden verhandelt, die Bewegung als genuine Triebfeder des Kinos bildet eine Konstante der Erzählung", heißt es in einer Aussendung des Filmarchivs. Das Programm beginnt bereits am Donnerstag (29.11.) mit Wenders Handke-Verfilmung "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" (1972), in der auch Erika Pluhar eine wichtige Rolle spielt.

Bereits drei Jahre zuvor war in Zusammenarbeit der beiden Künstler der Kurzfilm "Drei amerikanische LP's" entstanden. Von diesen ersten kurzen gemeinsamen Arbeiten über Handkes Adaption von Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre", die unter dem Titel "Falsche Bewegung" von Wenders verfilmt wurde, bis hin zum großen "Himmel über Berlin", der letzten Kooperation, spannt das Filmarchiv einen großen Bogen, in dessen Zentrum stets der entdeckende Blick, die Wirkung der Bilder und die zelebrierte Ästhetik des Sehens stand. Wenders Filme sind "Manifeste für eine Welt, die sich im Suchen zusammensetzt", so das Filmarchiv, "aber auch stilsichere Einladungen, die Welt neu zu erfahren".

Neben den zentralen Kinoarbeiten von Wim Wenders, der ab 1968 neben Werner Herzog und Rainer Werner Fassbinder einer der zentralen Erneuerer des deutschen Kinos war, sind auch Handkes Regieversuche "Proszenium - Chronik der laufenden Ereignisse" oder "Die linkshändige Frau" im Metro Kino zu sehen. Ergänzt wird die Filmschau von Handke-Verfilmungen anderer Regisseure, etwa Wolfgang Glücks Adaption von "Wunschloses Unglück" oder Herbert Veselys Verfilmung von "Der kurze Brief zum langen Abschied".

Quasi einer Verbündeten der beiden Protagonisten der Reihe wendet sich das Filmarchiv ab 13. Dezember intensiver zu. Erika Pluhar spielte in "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" eine Kinokassierin, deren Ermordung am Beginn einer Reise durch die österreichische Provinz steht. "In sich ruhend und verletzlich zugleich, ist Erika Pluhar hier in einer geradezu prototypischen Rolle zu sehen", schreibt das Filmarchiv, das zur Wiederentdeckung der Schauspielerin und Sängerin einlädt. In ihrem ersten Kinospielfilm "Moos auf den Steinen" prägte Pluhar einen "Schlüsselfilm des österreichischen Kinos".

Neben der Zusammenarbeit mit Wenders und Handke ist Pluhar immer wieder in Literaturverfilmungen zu sehen, etwa in den Schnitzler-Adaptionen "Traumnovelle" und "Der Reigen". Ihre weitere Kinolaufbahn wurde von Wolf Gremm bestimmt, "Die Brüder" markierte einen Höhepunkt dieser Schaffensperiode. Daneben entstanden durchaus beeindruckende Fernseharbeiten, etwa "Bel Ami" und "Die Kameliendame". Zum Abschluss der ersten Pluhar-Filmschau werden ihre beiden Regiearbeiten "Rosalinas Haus" und "Marafona" gezeigt. (APA)