Der Internetanbieter United Internet und der Mobilfunkdienstleister Drillisch knüpfen engere Bande. United Internet stieg im Rahmen der jüngsten Kapitalerhöhung von Drillisch mit knapp zehn Prozent bei der Firma aus Maintal bei Frankfurt ein. "Wir stärken unsere Partnerschaft", erläuterte ein United-Internet-Sprecher.

United Internet kostet der Einstieg 31,4 Millionen Euro. Angestrebt ist auch eine Vermarktungskooperation im DSL- und Mobilfunkgeschäft. Die Drillisch-Aktie legte bis zu vier Prozent zu, die United-Internet-Aktie bis zu sechs Prozent.

Cheuvreux-Analyst Felix Braune äußerte die Vermutung, dass die Kapitalerhöhung von Drillisch nicht vollständig gezeichnet worden und United Internet eingesprungen sei. Eine strategische Logik bezweifelt der Analyst. Es sei nicht zu erkennen, wozu ein Anteil an Drillisch für eine Vertriebskooperation oder eine Übernahme von Freenet nötig sei, erklärte Braune.

Die beiden Unternehmen hatten sich zuletzt verbündet, um sich die Möglichkeit zu eröffnen, Anteile am Konkurrenten Freenet aufzustocken oder den Wettbewerber ganz zu übernehmen. Die Gemeinschaftsfirma MSP ist mit sechs Prozent an Freenet beteiligt und hat die Option auf weitere 18,5 Prozent der Anteile bis Ende November. Drillisch hält alleine weitere zehn Prozent an Freenet.

Drillisch macht sich seit längerem für eine Aufspaltung von Freenet stark und will sich im Zuge dessen das Mobilfunkgeschäft einverleiben, worüber exklusive Gespräche laufen. Ein Verkauf des Mobilfunkgeschäfts ist aber an eine Gesamtlösung für das Unternehmen geknüpft. Doch United Internet, das als Käufer des DSL-Geschäfts von Freenet gehandelt wird, war vergangene Woche aus den bilateralen Kooperationsgesprächen mit Freenet ausgestiegen. Drillisch-Chef Paschalis Choulidis hatte gesagt, United Internet sei nicht der einzige Interessent für das DSL-Geschäft. Drillisch erlöste mit der jüngsten Kapitalerhöhung 106 Millionen Euro. Für einen Alleingang ist das zu wenig.

Am Markt wird spekuliert, dass United Internet nun die Fühler nach dem Telekommunikationsanbieter Versatel ausstreckt. Versatel gilt schon länger als Übernahmekandidat. Das Unternehmen, an dem der Finanzinvestor Apax mehr als 40 Prozent hält, hatte am Montag bekanntgegeben, dass die Berenberg Bank fast elf Prozent halte. Das Geldinstitut bezeichnete den Anteil als Handelsbestand. In Finanzkreisen hieß es zudem, dass Anteile unterhalb der Meldeschwelle von drei Prozent zusammengekauft würden. All dies könnte auf Kaufpläne hindeuten. Analysten bezeichneten eine Übernahme als plausibel, allerdings sprachen sie von vielen möglichen Interessenten. Die Unternehmen wollten die Spekulationen nicht kommentieren. Die Versatel-Aktie lag auch am Mittwoch deutlich im Plus, sie stieg um mehr als acht Prozent. (APA)