Wien - Wegen Tötung eines Kindes bei der Geburt ist am Mittwoch eine 26-jährige Wienerin im Straflandesgericht zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. Einen Monat muss die dreifache Mutter dem Richterspruch zufolge im Gefängnis verbringen, der Rest wurde ihr unter Setzung einer dreijährigen Probezeit auf Bewährung nachgesehen. Staatsanwältin Julia Koffler-Pock meldete Berufung an. Bei einem Strafrahmen von bis zu fünf Jahren sei das verhängte Strafausmaß zu gering. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Bürokauffrau hat am 16. Juli 2007 in ihrem Elternhaus in Wien-Donaustadt ein Baby zur Welt gebracht und unmittelbar nach der Geburt erstickt. Die Frau lebt mit zwei ihrer Kinder ( fünf und drei Jahrealt) nach wie vor im Einfamilienhaus ihrer Eltern. Die Obsorge wurde allerdings der Mutter der 26-Jährigen übertragen. Ein weiteres Kind hat die 26-Jährige unmittelbar nach der Geburt zur Adoption freigegeben. Zu den Vätern bestehe "absolut kein Kontakt".

Freund beendete Beziehung

Als sie ihrem Freund von der Schwangerschaft erzählte, hat er die Beziehung umgehend beendete, erzählte sie vor Gericht. Vor ihren Eltern versuchte sie die Schwangerschaft zu verheimlichen. Speziell ihre Mutter bemerkte aber den größer werdenden Bauch und stellte entsprechende Fragen. Die 26-Jährige leugnete immer, in "anderen Umständen" zu sein.

Sie habe befürchtet, von ihrem Vater rausgeschmissen zu werden, rechtfertigte sie sich vor dem Schöffensenat. Sie könne schon seit der Hauptschule mit ihren Eltern nicht "richtig reden", sagte die Beschuldigte.

Von Geburt überrascht

Sie habe daher geplant, sich wie beim letzten Mal ins Krankenhaus zu begeben, sobald die Wehen einsetzten, und das Neugeborene wieder zur Adoption freizugeben. Ihren Angaben zufolge wurde sie diesmal jedoch von den Wehen überrascht, nachdem sie ihre Kinder schlafen gelegt hatte: "In mir hat sich richtig eine Panik zusammen gebaut." Sie habe in dieser Situation das Kind "alleine zur Welt geholt", was "eigentlich relativ schnell" gegangen sei. Schmerzen habe sie keine gehabt. Dann hatte sie ein "Blackout"

Den Leichnam versteckte sie im Polsterbezug und versteckte ihn unterm Bett. Dann begab sie sich aufgrund der starken Blutungen ins Spital, wo ihr die Ärzte nach der Untersuchung auf den Kopf zusagten, dass sie soeben ein Kind zur Welt gebracht haben musste.

Berufswunsch

Zur Zeit lässt sich die Wienerin über Vermittlung des AMS zur Kindergartenhelferin ausbilden. Ihr aktueller Berufswunsch Kindergartenhelferin "klingt ein bisschen absurd", bemerkte die vorsitzende Richterin zum aktuellen Berufswunsch. "Ich muss wieder ins Leben zurückfinden. Dadurch kann ich das Ganze besser verarbeiten", erklärte die Wienerin. Der Frau wurde auferlegt sich einer psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen. (APA)