Geballter Mist auf der Deponie Rautenweg: das Zwischen-lager vor der Verbrennung. Die Kapazität der Deponie selbst ist spätestens 2020 erschöpft

Foto: STANDARD/ Christian Fischer
Auch die Wiener Müllabfuhr muss sich für die künftige Zwei-Millionen-Stadt rüsten. Eines der größten Probleme für das nächste Jahrzehnt: Die Mülldeponie Rautenweg wird laut aktuellen Prognosen im Jahr 2020 voll sein. Und die Kommune muss einen neuen Deponiestandort finden - Von Roman David-Freihsl

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"Sogar in unserem Best-Case-Szenario wird die Restmüllmenge in Wien leicht steigen", prognostiziert Josef Thon, Leiter der Wiener Abfallwirtschafts-Abteilung MA48 im Standard-Gespräch. "Bis jetzt konnten wir die Mengen nur deshalb stabil halten, weil wir die Sortierung und das Recycling optimiert haben."

Singles produzieren mehr Müll

Doch das wird sich in den nächsten Jahren ändern. Gerade erst wurde eine aktuelle Strategische Umweltprüfung und die Vorlage für ein neues Abfallwirtschaftskonzept fertiggestellt. Die Vorgabe: Wien wächst in Richtung Zwei-Millionenstadt. Allein bis zum Jahr 2020 muss man mit den Abfällen von zusätzlich 350.000 Menschen in der Stadt fertig werden. Dazu kommt: "In unserer Gesellschaft werden die Single-Haushalte immer mehr. Und die produzieren mehr Müll als Mehrfamilien-Haushalte", erläutert Thon.

Die Ausgangslage: Im Jahr 2005 verursachte die Stadt knapp 600.000 Tonnen Restmüll. Die Prognose: Dieser Wert wird pro Jahr um rund 1,3 Prozent steigen – eine Voraussage mit großer Schwankungsbreite.

Das bereitet Thon an sich noch kein Kopfzerbrechen. Schließlich wird 2009 in Simmering die dritte Wiener Müllverbrennungsanlage in der Pfaffenau in Betrieb gehen. Genau zu dem Zeitpunkt also, wenn in Österreich kein "unbehandelter" Restmüll mehr deponiert werden darf.

Ein wenig "Luft"

Mit der zusätzlichen Verbrennungskapazität von 250.000 Tonnen pro Jahr hat die MA48 also mindestens für die nächsten zehn Jahre ein wenig "Luft" – doch das ist noch nicht das Ende der Geschichte. Denn die Frage ist: Wohin mit der Asche und den Schlacken, die nach dem Verbrennen übrig bleiben?

Das Ergebnis der Umweltprüfung ist ernüchternd: Es "wird die Deponie Rautenweg im Laufe des Jahres 2019 verfüllt sein. Ab diesem Zeitpunkt stehen der Stadt Wien für ihre kommunalen Abfälle keine eigenen Deponiekapazitäten mehr zur Verfügung." Für Thon ist die Sache aber noch nicht gegessen: "Es würde viel Geld sparen, wenn wir den Rautenweg länger nützen könnten und die Kapazität noch erweitert würde." Nämlich über 2026 hinaus – denn in diesem Jahr würde die Genehmigung für die Deponie nach derzeitigem Stand ohnehin auslaufen.

Andernfalls muss die Stadtverwaltung einen neuen Standort finden. Laut Abfallwirtschaftskonzept sollte in erster Linie innerhalb der Stadtgrenzen gesucht werden. Notfalls sei aber auch eine Deponie im Umland eine Option.

Ein weiteres Problem: Was passiert, wenn eine der drei Müllverbrennungsanlagen – etwa für eine Revision – ausfällt? "Da planen wir ein zusätzliches Ballenlager – vorzugsweise gleich in der Pfaffenau", kündigt der MA48-Chef an. Derzeit gibt es eine "Ballierungsanlage" auf der Deponie Rautenweg: Der Restmüll kann dort sortiert, geschreddert und für eine kurze Zwischenlagerung in Ballen verpackt werden.

Biomist im Restmüll verringern

Das kann wiederum auch helfen, um danach die Verbrennung zu optimieren: "Wir haben im Restmüll immer noch einen höchst unterschiedlichen Anteil an feuchten Bio-Abfällen". erläutert Thon. "Und zwar ein Viertel bis zu einem Drittel. Das kann man mit den gut sortierten Ballen ausgleichen."

Gleichzeitig soll aber auch versucht werden, den Bio-Anteil im Restmüll weiter zu verringern. Indem die Abfälle von Großküchen besser erfasst werden. Thon: "Die erste Wiener Biogasanlage in der Pfaffenau ist derzeit auf 17.000 Jahrestonnen ausgelegt und kann auf 34.000 Tonnen erweitert werden. Eine Überlegung wäre, im Abfallwirtschaftsgesetz vorzuschreiben, dass Großküchen ihre Abfälle über die Biogasanalge entsorgen müssen." (Roman David-Freihsl/DER STANDARD Printausgabe 29.11.2007)