Rock With The Hot 8 Brass Band

Foto: Tru Thoughts/Soul Seduction

PHOSPORESCENT
Pride
(Dead Ocean/Import)
Matthew Houck aus Alabama hat sich nach dem letzten wunderbaren Album Aw Come Aw Wry nicht zur Gänze von seinen Richtung Will Oldham weisenden Südstaaten-Folkeinflüssen freigespielt. Weitgehend im Alleingang werden mit Hilfe luftiger Arrangements aber ungemein zu Herzen gehende, eigenständige, beseelte, spirituelle Songs im Zeichen des Neuen Testaments entworfen - und mit Ukulele, Klavier, schepperndem Schlagzeug und gelegentlicher Rockgitarre hymnisch aufgeladen. Zentrales Element ist hier die menschliche Stimme. Matthew Houck inszeniert im Alleingang mit zahlreichen Gesangsspuren Chöre, die Gänsehaut machen. Ein junger Meister der Ergriffenheitsinszenierung! Ein Album des Jahres.

SIGHTINGS
Through The Panama
(Load Records/Import)
Dumpfe, sinistre Rhythmen von Troglodyten, die in ihrer Höhle die Schatten zukünftiger Zivilisationen beschwören. Dazu extrem verzerrte und im Magen rumorende Bass- und Mittelfrequenzen, erzeugt auf Bass- und einer bei Arto Lindsays legendärer No-Wave-Band DNA abgeschauten Kratz-Gitarre. Schließlich manischer Sprechgesang, der in The Electrician, einer intensiven Neudeutung des Scott-Walker-Klassikers über Folterpraktiken in Südamerika seinen grausigen Höhepunkt erreicht. Das US-Noise-Trio zählt im Bereich des vom heiligen Lärm kommenden Grenzland-Rock neben den aktuellen Arbeiten der Liars oder Parts & Labor heuer zu den Gewinnern. Ganz groß!

THE HOT 8 BRASS BAND Rock With The Hot 8 Brass Band
(Tru Thoughts/Soul Seduction) Die einst aus einem Sozialprojekt hervorgegangene Blasmusik aus New Orleans, die auch jetzt noch beim Wiederaufbau der Mississippimetropole aktiv ist, veröffentlicht nach all den Jahren ihr CD-Debüt. Darauf zu hören: Beherzte Dilettanten interpretieren afroamerikanische Klassiker wie Marvin Gayes Sexual Healing oder Titel von Snoop Dogg in unnachahmlicher Schräglage. Hier laufen Gesang und Bläser zwar ständig gehörig aus dem Ruder, für die Lebendigkeit des Gebotenen ist dies allerdings ein Segen! (schach / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.11.2007)