Istanbul - Deutschland hat ein führendes Mitglied der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) an die Türkei ausgeliefert. Der wegen des Verdachts der Ermordung von sechs Polizisten mit internationalem Haftbefehl gesuchte Esref K. sei von Deutschland nach Istanbul geflogen und anschließend in ein Gefängnis im südosttürkischen Diyarbakir gebracht worden, meldeten mehrere türkische Zeitungen am Donnerstag übereinstimmend.

Türkische Regierungsvertreter werteten die Entscheidung der deutschen Behörden den Berichten zufolge als Zeichen dafür, dass Europa das PKK-Problem inzwischen ernst nehme. Es ist das erste Mal seit Jahren, dass ein hochrangiges PKK-Mitglied an die Türkei ausgeliefert worden ist. Österreich hat sich jüngst massive Kritik aus der Türkei zugezogen, weil es den führenden PKK-Rebellen Riza Altun nach einer vorübergehenden Festnahme im Juli ins nordirakische Erbil ausreisen ließ, ohne eine Auslieferung an Ankara zu erwägen.

Die Flucht von Altun aus Westeuropa hatte in der Türkei den Vorwurf ausgelöst, die PKK erfreue sich in Europa nach wie vor vieler Sympathien.

Asylantrag abgelehnt

Der von Deutschland ausgelieferte K. soll 1997 im südtürkischen Adana sechs Polizisten erschossen haben und anschließend ins Ausland geflohen sein. Der regierungsnahe Zeitung "Zaman" zufolge stellte K. 1998 in Deutschland einen Asylantrag, der jedoch abgelehnt wurde. Nach einer vorläufigen Festnahme in Deutschland kam K. zunächst wieder frei, wurde aber zu Beginn des Jahres erneut in Haft genommen. Die Türkei verlangte seine Auslieferung.

Den Berichten zufolge ist K. einer von 176 führenden PKK-Funktionären, die von der Türkei international gesucht werden. Auf der Liste stehen auch die PKK-Anführer Murat Karayilan und Cemil Bayik sowie der PKK-Schatzmeister Altun. Anders als in Deutschland ist die von der EU als Terrororganisation eingestufte PKK in Österreich nicht verboten. (APA)