Eric Blondeau: "Auf der Mapic ist ein Großteil der Branche vertreten. Innerhalb von drei Tagen lernen Sie alle wichtigen Geschäftspartner kennen. Das ist unbezahlbar."

Foto: Reed Midem
Die diesjährige Mapic in Cannes, weltgrößte Handelsimmobilien-Messe, spiegelt diesen Trend wider. Eric Blondeau, CEO der russischen Handelskette Mosmart, im Gespräch mit Gerhard Rodler.

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STANDARD: Was passiert auf der Mapic eigentlich? Ihr erster Eindruck von der diesjährigen Messe?

Blondeau: Millionen-Geschäfte werden auf der Mapic natürlich keine abgeschlossen. Bis zu einem konkreten Abschluss eines Vertrags, also zum Kauf oder Verkauf einer großen Handelsimmobilie, vergehen in der Regel Wochen bis Monate. Was hier aber sehr wohl passiert: Es werden erste Kontakte geknüpft. Interessant ist das vor allem, weil hier Leute aus Wirtschaftsräumen ins Gespräch kommen, die einander im Alltag nur selten begegnen. Russland stellt in Cannes die drittgrößte Teilnehmerdelegation dar. Das zeigt, wie wichtig ein solcher zentraler Treffpunkt der Branche auch für die innerwirtschaftlichen Belange unseres Landes ist.

STANDARD: Welche Trends erkennen Sie heuer?

Blondeau: Ich denke, dass die Bedeutung von Einkaufszentren weltweit generell zunimmt. Alles in allem sind heuer über 10.000 Branchenteilnehmer in Cannes vertreten. Bei der ersten Veranstaltung dieser Art war es weniger als ein Fünftel.

STANDARD: Welche Rolle spielt die Mapic für Russland?

Blondeau: Derzeit werden drei Viertel des gesamten Lebensmittelhandels in Russland über graue, also inoffizielle Vertriebskanäle erzielt. Ich bezeichne das auch als "unzivilisierten Handel". Das Ziel von uns professionellen Handelsunternehmen ist es, innerhalb der nächsten fünf Jahre auf einen Marktanteil von 50 Prozent zu kommen. Das bedingt natürlich einen Wachstum im Handel.

STANDARD: Warum suchen Sie neue Standorte ausgerechnet in Cannes - und nicht vor Ort in Russland?

Blondeau: Russland ist das größte Land Europas, wo man von einem Ende zum anderen zehn Stunden im Flugzeug sitzt. Es ist viel wirtschaftlicher, die Ansprechpartner hier in Cannes zu suchen. Die Mapic ist immerhin der weltgrößte Marktplatz für Handelsimmobilien, hier sind alle wichtigen Ansprechpartner der Branche vertreten. Innerhalb von drei Tagen lernen Sie alle potenziellen Geschäftspartner kennen. Das ist unbezahlbar.

STANDARD: In welchen Ländern suchen Sie nach Standorten?

Blondeau: Wir haben derzeit 30 Standorte und wollen Ende 2008 bereits mehr als 60 Standorte verfügen. Das Gros unserer Projekte liegt in Russland, künftig soll sich ein kleiner Teil auch in der Ukraine befinden. Das ist unser Plan für die nächsten fünf Jahre.

STANDARD: Sind Handelsimmobilien eine sichere Investition?

Blondeau: Wenn man den russischen Markt einmal verstanden hat, dann ist die Investition absolut sicher. Gefährlich wird es, wenn man mit den Spielregeln des Marktes nicht vertraut ist. Einige ausländische Investoren haben hier schon viel Geld verloren, weil sie die russischen Konsumenten unterschätzt haben.

STANDARD: An welchen Ressourcen mangelt es?

Blondeau: Es mangelt vor allem an Managementressourcen. Ich selbst komme aus Frankreich, und so wie ich stammen viele Fachkräfte aus dem Ausland. Aber die Russen lernen schnell und holen beim Know-how rasch auf. Daher wird sich das bald ändern.

STANDARD: Wenn man sich auf der Mapic umsieht, sieht man hunderte neue Shoppingcenter-Projekte für Moskau. Ist die russische Kaufkraft dafür wirklich groß genug?

Blondeau: Sie dürfen nicht vergessen, dass wir bei Moskau von einem 14-Millionen-Menschen-Markt sprechen. Aber das wahre Wachstum kommt aus der Provinz. Denn in den kleineren Städten gibt es so gut wie keine ausreichende Einzelhandelsstruktur. Und so boomen die Großstädte. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.11.2007)