Die Cuvée "Wolfsjäger" aus dem Haus Juris-Stiegelmar.

Foto: Luzia Schrampf
Herta und Axel Stiegelmar vom Weingut Juris in Gols haben ein Gespür für Entwicklungen und setzen diese im Rahmen ihres Betriebes immer mit einem vernünftigen Blick um: Gelungene Beispiele sind Juristo und Clairette, ein Rot-Weiß-Pärchen für Einsteiger, die aber nicht dem gängigen Schema von Leicht- und Leichtest-Weinen entsprechen, oder ein trocken ausgebauter Muskat Ottonel mit zarter, aber sehr sortentypischer Aromatik, den es seit dem Jahrgang 2002 gibt und der der leider viel zu oft falsch verstandene Sommerwein-Idee (knallige Aromatik durch möglichst kalte Vergärung z.B.) eine ernsthafte, aber leicht zu trinkende Alternative entgegensetzt.

Das heißt nicht, dass die Stiegelmars das Wein-Rad jedes Jahr neu erfinden und jedem Kleinsttrend hinterher hecheln. Entwicklungen werden aufgegriffen und - sofern sinnvoll und machbar - für das Haus interpretiert, dessen Kernsortiment sich im Großen und Ganzen um die Weine der "Reserve" und "Selection"-Linie aus Chardonnay, Pinot Noir und Sankt Laurent dreht.

Die Cuvée "Wolfsjäger" 2005 aus Blaufränkisch und Zweigelt ist ein gelungenes Beispiel für einen ausgewogenen, nicht über-kraftvollen, aber gut zugänglichen Wein, der auch einen erstklassigen Speisenbegleiter abgibt. Jahrgangsbedingt fällt 2005 nicht ganz so körperreich, sondern etwas schlanker und sehr saftig aus. Dafür spielt er mit einem ausgeprägten Aromen-Mix aus Kirschen, Weichseln und Brombeeren unterlegt mit feiner Würze.

"Wolfsjäger" zählt stilistisch zu jenem neuen Typ österreichischer Rotweine, der sich darauf einlässt, dass man hier eben in nördlicheren Gefilden ist (mehr Säure, weniger Wucht durch Sonne und Wärme), und der nicht durch "Aufchoppen" (Konzentration, zu viel Extraktion) zu etwas gemacht wird, was er nicht ist.

Die Cuvée aus den roten österreichischen Paradesorten gibt es seit dem Jahrgang 2001 und zählt zur Selection-Serie: Die Weine entstehen aus jüngeren, bis zu 15 Jahre alten Rebanlagen, werden wenn überhaupt nur kurz im Holzfass (großes Holz, gebrachte Barrique) vinifiziert. Die Idee dahinter: Leichtere, vor allem auf den fruchtigen primären Sortencharakter aufbauende Weine zu schaffen, die aber dennoch einige gute Jahre lagern können. (Luzia Schrampf)