Genf - Tobias Richter wurde zum Opern-Direktor des Grand Theatre von Genf ernannt, teilte sein Sprecher am Donnerstag mit. Das Theater, das sich neben Tanz und Theater vor allem auf Opernaufführungen spezialisiert hat, steckt seit eineinhalb Jahren in einer schweren Verwaltungskrise. Der Genfer Gemeinderat hat am Dienstag allerdings einer Finanzierungserhöhung von 2,5 Millionen Franken (ca. 1,5 Mio. Euro) zugestimmt, um die Defizite der aktuellen Saison abzudecken.

"Desaströs"

Das Grand Theatre übernimmt er in einer schwierigen Situation. Nachdem im Mai 2006 einem Verantwortlichen sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde und eine Maschinistin im folgenden August Selbstmord beging, wurden im vergangenen April Prüfberichte veröffentlicht, die eine "desaströse Personalpolitik", eine "starke Macho-Kultur" und wiederholte Vorfälle von Belästigung und Diskriminierung im Theater feststellten. Durch den Rückzug einer privaten Stiftung, die dem Theater bis dahin jährlich eine Million Franken zur Verfügung gestellt hatte, war das Haus außerdem in eine Finanzkrise geschlittert.

Tobias Richter, geboren am 2. April 1953 in München, ist Schweizer Staatsbürger und begann seine Laufbahn in Genf als persönlicher Assistent von Götz Friedrich. Von 1977 bis 1980 arbeitete er unter August Everding als Spielleiter an der Bayerischen Staatsoper, wurde danach unter Gian-Carlo del Monaco, dem heutigen Bonner Opernintendanten, Oberspielleiter in Kassel und war 1984 bis 1992 Generalintendant in Bremen. Nach seiner Rückkehr nach Genf inszenierte er vor allem an Opernhäusern in Frankreich und Italien. Seit 1996 und noch bis 2009/2010 ist der Sohn des Orchesterleiters und Organisten Karl Richter Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein und seit 2004 des Festivals "Septembre musical" im Schweizer Montreux-Vevey. (APA)