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AP Photo/Paul Sakuma
Die Networking-Plattform Facebook rudert zurück und hat eine abgeschwächte Form ihres neuen Web-Marketingtools angekündigt. Die vor wenigen Wochen neu eingeführte Online-Werbung, bei der das Surfverhalten der Nutzer auch außerhalb des Portals beobachtet wird, hatte heftige Proteste bei Datenschützern und verärgerten Mitgliedern hervorgerufen. Wie die New York Times berichtet, haben in den vergangenen zehn Tagen mehr als 50.000 Facebook-Nutzer eine Petition unterzeichnet, die sich gegen das umstrittene Marketingtool wendet. Die Mitglieder forderten eine Web-Funktion, die es ermöglicht, das Werbeprogramm mit einem Klick komplett auszuschalten. Facebook allerdings verwehrte sich bisher dagegen.

Druck

Nun kommen die Plattform-Betreiber aufgrund des gesteigerten Drucks den Nutzern zumindest auf halber Strecke entgegen und wollen künftig keine Nachrichten über das Surfverhalten versenden, wenn dem nicht in jedem einzelnen Fall explizit zugestimmt wird. Die Organisation MoveOn.org, die für die Online-Petition verantwortlich ist, begrüßte diesen Schritt. "Bislang gingen sie davon aus, dass das Ignorieren einer Benachrichtigung über die Werbemaßnahme einer Zustimmung gleichkommt", so Adam Green, Sprecher von MoveOn. Wenn Facebook eine Politik verfolgen würde, wonach keine privaten Kaufentscheidungen auf anderen Webseiten ohne Erlaubnis auf der Plattform öffentlich gemacht werden, dann wäre das ein Schritt in die richtige Richtung, meint Green.

Minderheit

Laut Facebook sind jene Nutzer, die sich beschweren, eine marginale Minderheit und in einiger Zeit würden sich die Nutzer an Beacon - so der Name des Werbeprogramms - gewöhnen. Für Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ist das Marketingtool nur eine Erweiterung der Empfehlungsmöglichkeiten, beispielsweise für Bücher oder Filme, unter den Nutzern. Viele Internetunternehmen wie Google, AOL und Microsoft nutzen längst ähnliche "Spionage-Tools". Sie verfolgen das Surfverhalten der User und schicken diesen dann Werbung, die sich an konkreten Suchanfragen oder an Webseiten orientiert, die besucht wurden.

Paradox

Die heftigen Proteste seitens der Facebook-Mitglieder scheinen trotz der unbestrittenen Datenschutzproblematik auch ein wenig paradox. Denn gerade Nutzer von Social-Networking-Portalen und ähnlichen Web-2.0-Angeboten sind grundsätzlich für ihr öffentliches Mitteilungsbedürfnis bekannt und stellen oft Unmengen an privaten Details zur Schau. So warnen mittlerweile viele Experten vor den Gefahren des Social-Networkings und sehen darin sogar eine mögliche Bedrohung für künftige Karrierepläne. (pte)