Wien – Die internationalen Truppen, die Kosovo Forces (Kfor) würden auf alle Versuche antworten, die die Sicherheit der Menschen im Kosovo gefährden, stellte Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer bei der Konferenz „Sicherheit für alle im Kosovo“ am Freitag in der Wiener Hofburg fest. „Die Kfor wird keine Gewalt tolerieren“, in der sensiblen Zeit, die nun komme. Und die Nato würde solange als notwendig im Kosovo bleiben. Scheffer appellierte an die Verantwortung der kosovarischen Führer und forderte die Nachbarn des Kosovo auf, auf Provokationen zu verzichten.

Außenministerin Ursula Plassnik meinte, die Nachfrage nach Sicherheit werde im Kosovo eher steigen als abnehmen. Als beschämend bezeichnete sie den Umstand, dass Serben im Kosovo teilweise noch auf den Schutz von Konvois angewiesen seien. Man müsse alles tun, damit die Serben im Kosovo bleiben. Gleichzeitig warnte sie – wohl an die Adresse Belgrads gerichtet – davor, den Strom (für den Kosovo) abzudrehen. Dies schade „der europäischen Perspektive des Landes“.

Der Chef der UN-Verwaltung im Kosovo (Unmik), Joachim Rücker, forderte eine rasche Status-Entscheidung. Die Folgerungen der UNO aus dem Bericht der Kosovo-Troika, der am 10. Dezember UN-Generalsekretär Ban Ki-moon übergeben würde, „müssen Klarheit bringen“, so Rücker. Der Kosovo dürfe am 11. Dezember „nicht in ein Loch fallen“. Die Leute seien müde und frustriert. Aber auch Rücker räumte ein, dass „Provokationen mehr werden könnten“.

Die Belgrader Studentin Alexandra Vujièiæ meinte vor Beginn der Konferenz zum Standard, dass ohnehin nur „die radikalen Serben“ nach der Trennung des Kosovo von Serbien im Kosovo bleiben würden. Vujièiæ ist der Meinung, dass die Serben angesichts der Bedingungen den Kosovo besser verlassen sollten. In Belgrad seien jedenfalls „die Mehrzahl der Leute der Meinung, dass der Kosovo ohnehin verloren ist.“

Sie hoffe aber, dass die Status-Entscheidung erst nach den Präsidentschaftswahlen getroffen wird. „Weil dann nicht die Radikalen gewinnen“, so Vujièiæ. Serbien sei eigentlich „ein kleines Land mit kleinen Problemen“. Doch „mit den Amerikanern und den Russen ist die Kosovo-Frage zu einem globalen Problem geworden.“ Für den kosovo-albanischen Student Selver Islamaj ist die Verbesserung der ökonomischen Situation und der Ausbildung wichtiger als der Status. „Meine Freunde sagen: Wozu hab ich ein Pharmazie-Diplom? Um Zigaretten zu verkaufen?“, erzählt er. Die Politiker hätten keine Zukunftsperspektiven entworfen. Im Moment brauche man aber die alten Eliten. „Weil sie es auf radikalem Weg machen und weil man anders nichts erreicht. Aber für die Zukunft brauchen wir sie nicht mehr.“ Die serbische Zeitung Blic berichtete indes, dass Prishtina am 20. Jänner die Unabhängigkeit ausrufen könnte. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 1.12.2007)