Es ist ein Ergebnis, das Bildungspolitiker und -journalisten gleichermaßen ratlos zurücklässt: Eigentlich ist das neue österreichische Pisa-Ergebnis schlechter als 2003, ein Pünktchen weniger gab es für die heimischen Schüler sowohl beim Lesen als auch in Mathematik. In den jeweiligen Rankings hat sich Österreich aber um ein paar Plätze verbessert – zumindest im bereits bekannten Vergleich der OECD-Länder. Noch dazu betonen die Autoren der Studie selbst, dass so marginale Veränderungen eigentlich gar nichts aussagen, sie bewegen sich nämlich innerhalb der statistischen Schwankungsbreite.

Wirklich spannend wird es also erst, wenn der österreichische Pisa-Chefanalyst Günter Haider morgen die Erklärung zu den nackten Zahlen vorlegt. Und dann beginnt das große politische Heruminterpretieren – mit vorhersehbarem Ausgang: Die SPÖ wird aus den Ergebnissen Handlungsbedarf ableiten, schließlich belegen sie den bildungspolitischen Stillstand der letzten Jahre. Die ÖVP wird hingegen befinden, dass die schwarz-blaue Bildungspolitik nicht so schlecht gewesen sein kann. Und sie wird natürlich erneut darauf hinweisen, dass Pisa „alles und nichts aussagt“, wie es die schwarze Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek gern formuliert.

Man mag Studien wie Pisa für reine Zahlenspiele oder doch für einen wichtigen internationalen Vergleichswert halten - eines bewirken sie jedenfalls: Sie fachen die Bildungsdebatte an, und sie hatten in den letzten Jahren zur Folge, dass Politiker und Wissenschafter über Österreichs Grenzen hinausgeblickt haben. Frei nach dem Motto: Natürlich ist auch das finnische Schulsystem nicht perfekt, aber irgendetwas müssen die dort oben schon richtig machen. Nun muss die Debatte nur noch in Taten münden - dann hätte Pisa in Österreich jedenfalls seinen Zweck erfüllt. (Andrea Heigl/ DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2007)