In Deutschland wurde die durch spekulative Immobiliengeschäfte angeschlagene Bank IKB aufgefangen, in Österreich wäre die Bawag ohne Staatshaftung zusammengebrochen und in den USA wird nun ein Rettungsplan für Hausbesitzer, die ihre Kreditraten nicht mehr zahlen können, ausgearbeitet. Letztlich wird auch den Banken seit Monaten unter die Arme gegriffen, indem die Notenbanken billiges Geld zur Verfügung stellen. Eine Maschinerie der Ausfallshaftung ist in Gang gekommen, die einen noch größeren Schaden abwenden soll. Fragt sich nur, ob diese Aktionen Sinn machen.

Allen gemeinsam ist ja, dass versucht wird, die Lage mit künstlichen Eingriffen zu stabilisieren. Dagegen könnte man einwenden, dass die Krisen durch staatliche oder branchenweise Stützung nur verschleppt werden. Allerdings sind dogmatische Ansichten in derartigen Situationen verfehlt. Konzertierte Aktionen der Notenbanken - wie beispielsweise nach dem 11. September 2001 - haben die Weltwirtschaft vor einem gröberen Zusammenbruch bewahrt. Die Fortsetzung der Immobilienkrise in den USA hätte zur Folge, dass Millionen von Hausbesitzern ihre Immobilien zwangsversteigern und die Bewohner - wie es derzeit schon passiert - auf die Straße setzen.

Wenn nun die Banken einspringen und versuchen, die schlimmsten Folgen des Credit-Crunchs abzufedern, begeben sie sich auf einen schmalen Grat. Der entscheidende Punkt bei derartigen Feuerwehreinsätzen ist die Ausgestaltung und Dauer der Intervention. Das Bawag-Auffangnetz ging beispielsweise in Ordnung, weil gleichzeitig Sanierung und Verkauf des Instituts auferlegt wurden. Nach 9/11 hingegen verfolgte die US-Notenbank eine lockere Geldpolitik, als es wieder aufwärts ging. Die Rettungsaktion hat somit die heutige Krise mitverschuldet. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.12.2007)