Gerhard Forstner - Hofbräu Kalsdorf,

Foto: Conrad Seidl
Während das Bierangebot nicht nur weltweit, sondern auch in Österreich immer einförmiger wird - 62,4 Prozent fallen bei uns in die Kategorie Lager-/Märzenbier, das ist deutlich mehr als noch vor zehn Jahren - steigt die Zahl von besonderen Bieren, die allerdings oft nur winzige Nischen des Marktes besetzen. Die Bockbiere geben dabei das beste Beispiel ab: Sie sind die Biere für jene, die weniger, aber besser trinken wollen.

Das ist ein Trend, der sich in den USA entwickelt hat, wo sich viele von den Industriebieren abgewendet haben, um wesentlich teurere Biere aus kleinen Brauereien zu trinken. Man nennt diese Zielgruppe die "Better Beer Drinkers", die Brauereien in den USA (inzwischen auch in Italien und sogar in Russland) haben mit ihnen große Freude: Eben weil sie nicht so viel in sich hineinschütten, kommt es ihnen nicht so sehr darauf an, wie teuer das einzelne Bier ist. Da darf es ruhig etwas Besonderes sein.

Und da geben die unscheinbaren 0,2 Prozent Bockbier-Anteil des österreichischen Marktes durchaus etwas her: Jeder Braumeister braut gerne ein besonders starkes Bier, denn da lassen sich mehr Aromen herausholen. Die kommen zum einen durch den höheren Malzgehalt zustande - mehr Malz bietet mehr Malzzucker, mehr Malzzucker ist die Basis für mehr Alkohol. Und da es sich da nicht nur um Ethanol, sondern auch um andere Gärungsprodukte handelt, können die Bockbiere eben mehr an Duft (und Geschmack) aufweisen. Dazu kommt, dass die Temperaturführung während der Gärung ebenso wie eine lange kalte Lagerung zu einer entsprechenden Reifung führen. Womöglich kommen für Bockbiere auch noch andere Hefen zum Zug als bei den gewöhnlichen Bieren derselben Brauerei - gerade obergärige Hefen können für besonders interessante Effekte sorgen.

So etwa beim Triple 22 der Handbrauerei Forstner im steirischen Kalsdorf. Oder bei den verschiedenen Weizenböcken - wie jenem Weißbier-Bock aus Ried im Innkreis, der vor zwei Wochen hier als Bier der Woche vorgestellt worden ist. Auch die Brauereien denken um: Wurde das Bockbier lange vor allem von den Braumeistern geschätzt und von den an Ausstoßzahlen orientierten Managern verachtet, wird nun das Potenzial erkannt. Mit dem Bockbier lässt sich in neuen Zielgruppen punkten und auch kulinarisch mehr bewirken. Der Verband der Brauereien hat das bei einer Bockbierverkostung am Montag eindrucksvoll vorgeführt.

Hier die Böcke und die entsprechenden Verkostungsnotizen:

Brauerei: Stieglbrauerei zu Salzburg
Bier: Original Stieglbock
Stammwürze: 16,5°
Alkoholgehalt: 7,0 Vol.% Drei Monate gereift
Verkostungsnotzien: Goldgelb, blumige Nase (Veilchen), milder, weicher Antrunk, relativ schlank für ein Bockbier, milder Nachtrunk mit verhaltener Bittere.

Brauerei: Mohrenbrauerei, Dornbirn
Bier: Mohren Bockbier
Stammwürze: 16,5°
Alkoholgehalt: 7,0 Vol.%
Verkostungsnotizen: Sattes Goldgelb, heuartige Hopfennase, runder, aber nicht zu süßer Antrunk, deutlicher Hopfengeschmack aber dennoch mild und wenig bitter

Brauerei: Privatbrauerei Karl Th. Trojan, Schrems
Bier: Schremser Weihnachtsbräu
Stammwürze: 16,5°
Alkoholgehalt: 7,1 Vol.%
Mindestens vier Monate gereift
Verkostunsnotizen: Goldgelb, fruchtige, an Äpfel und Mostbirnen erinnernde Nase. Fruchtig, deftig vollmundig und leicht süß, sehr verhaltene Bittere im Nachtrunk.

Brauerei: Zillertal Bier GmbH, Zell am Ziller
Bier: Gauderbock
Stammwürze: 18,0°
Alkoholgehalt: 7,8 Vol.%
Acht Monate gereift
Verkostungsnotizen: Helles Goldgelb, fruchtig-esterige Nase, süßer, voller Trunk, honigartige Aromen, Bittere erst sehr spät im Nachtrunk mit kräuterartigen Eindrücken.

Brauerei: Vereinigte Kärntner Brauereien AG, Villach
Bier: Villacher Festbock
Stammwürze: 16,4°
Alkoholgehalt: 6,9 Vol.%
Verkostungsnotizen: Hellbernsteinfarben, blumige, an Orchideen erinnernde Nase, sehr noble Hopfung, herber Antrunk, vollmundig mit deutlichem Hopfengeschmack.

Brauerei: BrauUnion Brauerei Zipf
Bier: Zipfer Stefanibock
Stammwürze: 16,5°
Alkoholgehalt: 7,1 Vol.%
Verkostungsnotizen: Hellgelb. Aromen von Birnen in der Nase. Schlank und auffallend herb, beinahe spritzig, intensiver Hopfengeschmack mit kräuterartigen Aromen (Saazer, Tettnanger).

Brauerei: BrauUnion, Brauerei Schwechat
Bier: Schwechater Zwickl-Doppelbock
Stammwürze: 18,0°
Alkoholgehalt: 7,5 Vol.%
Verkostungsnotizen: Hellgelb und intensiv trüb, Kräuter und Hefe in der Nase, scharfe, intensive Bittere bei gleichzeitig weichem Trunk, sehr intensive Hopfenaromen (Magnum, Spalter Select).

Brauerei: Brauerei Hofstetten, St. Martin
Bier: Hochland Bio Honigbock Jahrgang 2007 Limited Edition
Stammwürze: 16,7°
Alkoholgehalt: 8,3 Vol.%
Verkostungsnotizen: Vier Monate im Tank vergoren, drei Monate in der Flasche gereift. Hellbernstein mit einer fruchtigen, an Himbeeren erinnernden Nase. Weicher, dennoch spritziger Antrunk, deutliche Bittere und erst im Nachtrunk überwiegend süß.

Brauerei: Brauerei Schloss Eggenberg, Vorchdorf
Bier: Samichlaus – bottled in 2007
Stammwürze: 32°
Alkoholgehalt: 14 Vol.%
Verkostungsnotizen: 10 Monate im Keller gereift Dunkles Kupfer, sehr süße Nase und Aromen, die an Datteln und Feigen erinnern. Im Trunk auch eine Idee von Holzfass und Cognac. Intensiv süß und fast cremig am Obergaumen ist es extrem wuchtig: Hier ahnt man Marzipan und Schokolade.

Brauerei: Handbrauerei Forstner, Kalsdorf
Bier: Triple 22
Stammwürze: 22°
Alkoholgehalt: 9,5 Vol.%
Verkostungsnotizen: Mit Nachgärung auf der Flasche Dunkelbernstein, intensiv fruchtige Nase, die an Mango und Papaya erinnert. Sehr scharfer, gewürzhafter Antrunk. Süß und vollmundig, aber durch eine scharfe Bittere balanciert.

Brauerei: BrauUnion - Hofbräu Kaltenhausen
Bier: Edelweiss Gamsbock
Stammwürze: 16,5°
Alkoholgehalt: 7,1 Vol.%
Verkostungsnotizen: Helles goldgelb mit intensiver Trübung. Starke Gewürznelken- und Bananen-Nase, leichter und sehr rezent wirkender Antrunk, trotz des starken Mousseux süß und sehr wenig bitter.

(Bierpapst Conrad Seidl)