Der Enthusiasmus, mit dem Venezuelas Opposition ihren ersten Erfolg über Präsident Hugo Chávez feierte, war ähnlich übertrieben wie die häufigen verbalen Ausbrüche ihres Staatschefs. Chávez gestand Sonntagabend ein, dass er das von ihm selbst geforderte Referendum über eine Verfassungsreform knapp, aber doch verloren hat. Damit demonstrierte er, dass er nicht der Diktator ist, als den ihn seine Gegner darstellen. Seine Amtszeit läuft aber immerhin noch bis 2013, der Staatsapparat und das Parlament handeln weiter auf seinen Zuruf. Und so lange der Ölpreis hoch bleibt, läuft auch der Aufbau seines "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" mit großzügigen Sozialprogrammen und Investitionen in die Staatswirtschaft wie geschmiert.

Trotzdem hat Chávez, der seit 1999 etliche Wahlen und Referenden hoch gewonnen hat, nun erstmals eine empfindliche Schlappe erlitten. Von den Armen und Unterprivilegierten, von denen es im ölreichen Venezuela so viele gibt, dass sie ihrem Retter Chávez bisher eine bequeme Mehrheit verschafften, blieben etliche zuhause. Der täglich erlebte Mangel an Milch und Zucker, die hohe Kriminalität in ihren Vierteln überwog bei manchen die Dankbarkeit für neue Wohltaten wie eine Arbeitszeitverkürzung und höhere Sozialleistungen. Und nicht nur die Reichen, auch Industriearbeiter ärgern sich über die Gängelung der Medien und die Einschränkung demokratischer Rechte.

Die neuen Vollmachten, die der Staatschef angestrebt hatte - darunter die unbegrenzte Wiederwahl -, bleiben ihm verwehrt. Sie kommen nicht zustande, aber nur "vorerst - por ahora", wie Chávez am Sonntag in Wiederholung seines berühmtesten Ausspruchs sagte. Damit hatte 1992 der damalige Fallschirmjägeroberst Hugo Chávez seine Niederlage beim Putschversuch gegen den Staatschef Carlos Andrés Pérez eingestanden. Sieben Jahre später war er selbst Venezuelas gewählter Präsident. (Erhard Stackl/DER STANDAARD, Printausgabe, 4.12.2007)