Was auf die Eufor-Mission im Tschad wirklich zukommt, können die abmarschbereiten Soldaten bestenfalls erahnen. Diejenigen, die sie losschicken, die europä-ischen Außen- und Verteidigungsminister, haben bestenfalls grobe Vorstellungen, was die Streitmacht bewirken soll. Jene, die das Ganze bezahlen, die Steuerzahler, dürfen sich also auf jede Menge Überraschungen einstellen: auf überraschend gefährliche Situation für die Friedenssoldaten, auf überraschend hohe Kosten und auf einen überraschend langen Einsatz.

Kein Mensch kann heute wissen, wie die Sicherheitslage im östlichen Tschad in einem Jahr sein wird. Man weiß nur: Es gibt in der Region einige zehntausend Bewaffnete, die großes Interesse daran haben, dass es nicht sicherer wird - weil sie in einer unübersichtlichen Situation vielleicht taktische Vorteile für die eigene Gruppe erkämpfen können. Und dieses Interesse wird sich wahrscheinlich auch in zwei oder drei Jahren nicht geändert haben. Denn bloß weil die EU 500 Mann entsendet, wird die Region ja noch nicht befriedet - die Konflikte bleiben. Und mit der Eufor steht dann ein neuer Akteur im Raum, an dem sich reiben kann, wer eben gerade Lust dazu verspürt.

Das wird aus der Studie "African Adventure?" der renommierten US-Universität MIT schnell klar: Die Eufor wird eine schwache Kraft sein. Eine, die mittelfristig und gegen den eigenen Willen in die vielschichtigen regionalen Interessen verstrickt werden könnte. Was man dagegen machen kann? Erstens müsste die EU das politische und militärische Ziel klarer definieren - etwa: Befriedung und Entwaffnung in der Grenzregion. Zweitens muss dieses Ziel dann mit massivem Auftreten konsequent durchgesetzt werden, was eine stärkere Aufrüstung der Friedenstruppe bedingt. Damit die Eufor-Soldaten, auch die des Bundesheers, eben nicht zum Reibebaum werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2007)