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Ab 2008 gilt in Deutschland Rauchverbot in Lokalen, wenn es keinen abge-trennten Raum zum Qualmen gibt - auch für diese Pilsstube in Ludwigsburg.

Foto: AP/Kienzle
Bayern zumindest ist beim Strafen gnädig.

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Berlin/München - "Wir werden beim Einsatz repressiver Mittel sehr zurückhaltend sein." Mit diesem Satz hat sich der neue bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) vermutlich in den Herzen (oder Lungen) vieler Raucher ein Platzerl erobert. Zwar tritt in Bayern wie in vielen anderen Bundesländern auch am 1. Jänner 2008 das Rauchverbot in Lokalen in Kraft, aber in den ersten Wochen werden im Freistaat keine Bußgelder verhängt, wenn dieses nicht strikt eingehalten wird.

Kaum ein Stammtisch in Deutschland kommt derzeit ohne die Debatte um das Rauchverbot aus. Wie soll das funktionieren, fragen sich nicht nur Gäste in Lokalen, die um die Gemütlichkeit fürchten, sondern vor allem Wirte, die um ihre Umsätze bangen.

17 Millionen Menschen in Deutschland rauchen und für sie wird es immer enger. Am 1. September ist das "Gesetz zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens" in Kraft getreten. Seither herrscht in sämtlichen Einrichtungen des Bundes sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln das absolute Rauchverbot; ebenso auf den Bahnhöfen der Deutschen Bahn. Doch an 330 besonders stark frequentierten Stationen wurden Raucherinseln eingerichtet. Dorthin sprintet so mancher nach längerer Fahrt im ICE. Denn auch in den Zügen gibt es keine Raucherabteile mehr.

Doch das größte staatliche Entwöhnungsprogramm beginnt am 1. Jänner 2008. Ab dann gilt neben Bayern auch in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, im Saarland, in Sachsen, Thüringen und Schleswig-Holstein jene Regelung, die besagt: Geraucht wird nur noch im eigens abgetrennten Extrazimmer. Rheinland-Pfalz zieht erst Mitte Februar nach, wenn der Karneval vorbei ist, Nordrhein-Westfalen dann im Juli 2008.

Drastische Strafen In drei Bundesländern (Niedersachsen, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern) ist so ein Gesetz schon in Kraft. Und dieses kostete eine Kneipenbesitzerin in Hannover Anfang November bereits 100 Euro. Sie war als erste angezeigt worden, weil in ihrer Kneipe geraucht wurde. Doch die Strafen können noch viel drastischer sein und bis zu 4000 Euro betragen. Im niedersächsischen Gesundheitsministerium betont man aber, dass das Verbot weitgehend eingehalten wird.

Der Hotel- und Gaststättenverband (Hoga) klagt, dass Wirte von 20 Prozent Umsatzeinbußen berichten; wovon auch Zulieferer betroffen sind. "Die Raucher bleiben weg, die Nichtraucher kommen aber auch nicht", kritisiert Hoga-Sprecher Daniel Ohl.

Viele Kneipenbesitzer haben im Herbst draußen Tische stehen lassen, wärmende Decken dazugelegt und so ein Freiluft-Rauchereck geschaffen. Doch für den Winter, wenn diese Alternative wenig wirtlich ist, tüftelt so mancher schon an seiner privaten Ausnahmeregelung.

So will ein Wirt in München-Schwabing sein Lokal mit einem Kartenlesegerät ausstatten. Zieht der Gast die Karte drüber, erscheint der Schriftzug "geschlossene Gesellschaft". Einer solchen ist das Rauchen in Lokalen nämlich gestattet. Andere gestalten am Computer bereits Club-Karten, die sie an ihre Gäste ausgeben wollen. Denn auch hier sehen viele der Landesgesetze eine Ausnahme vor: Wer sein Lokal als "Raucher-Club" deklariert, darf seinen Gästen das Qualmen weiterhin uneingeschränkt gestatten. (Birgit Baumann/DER STANDARD – Printausgabe, 4.12.2007)