In etwa 10.000 Fabriken in Südchina stellen rund vier Millionen Arbeiterinnen Spielwaren her.

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Wien - Barbie-Puppen, Kuscheltiere, Bälle, Plastik- und Magnetspielzeuge "made in China" werden auch heuer wieder zuhauf auf den heimischen Gabentischen landen. Denn 80 Prozent des in Österreich verkauften Spielzeugs kommt aus China. Dass diese Produkte unter Umständen hochgiftig und für Kinder daher massiv gesundheitsgefährdend sein können, hat sich in den letzten Monaten gezeigt. Allein der Spielzeugkonzern Mattel musste Millionen toxischer und gefährlicher Spielsachen zurückrufen.

Weniger bekannt ist bisher, dass die Spielwaren auch unter katastrophalen Bedingungen hergestellt werden.

"15 Stunden Arbeit pro Tag, sieben Tage die Woche, sind üblich, Überstunden werden nicht bezahlt und Schutzmaßnahmen vor giftigen Dämpfen der Chemikalien gibt es nicht", beschreibt Nora Holzmann von der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisation (NGO) Südwind die Arbeitsbedingungen chinesischer Fabrikarbeiterinnen. Der Monatslohn - sofern er überhaupt ausbezahlt wird - liege bei 78 Euro. Oft gebe es auch Arbeitsunfälle - meist abgetrennte Finger - aus Mangel an Einschulungen und aus Übermüdung.

"In den Medien wird berichtet, was mit den Kindern passiert, die mit giftigem Spielzeug spielen. Unser Anliegen sind die Arbeiter in China", sagt Südwind-Sprecherin Christina Schröder.

Es gehe Südwind allerdings nicht um einen Boykott von in China produzierten Spielwaren, sondern um das Erzeugen von öffentlichem Druck auf die chinesischen Produzenten und ihre Auftraggeber, wie zum Beispiel den amerikanischen Disney-Konzern: "Solange es keine verlässlichen Kodizes und Zertifizierungen gibt, hilft nur, Petitionen zu unterschreiben."

Dazu wollen die Südwind-Aktivistinnen am kommenden Mittwoch als Disney-Figuren verkleidet auf der Wiener Mariahilferstraße die Weihnachts-Einkäufer animieren.

"Konsumenten müssen zeigen, dass es ihnen wichtig ist, unter welchen Bedingungen Spielsachen produziert werden", so Schröder. (kol, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.12.2007)