Langusta, Wien-Josefstadt: Sieht auf entspannte Weise gut aus.

Foto: Gerhard Wasserbauer

Das Essen von Küchenchef Daniel Duspara ist überhaupt eine Klasse für sich.

Fotos: Gerhard Wasserbauer

Foto: Gerhard Wasserbauer
Die Geschichte beginnt im XXL in der Ottakringer Koppstraße, einem Holzkohlengrill, wo erstklassige Cevaberln serviert werden. Das XXL ist ein Rückzugsort für Expats aus dem einstigen Jugoslawien, Deutsch wird man hier nur vereinzelt hören. Betreiber ist der gebürtige Bosnier Atif Mehica, der schon seit längerem mit der Idee spielte, "auch mal ein normales Lokal" aufzumachen. Was er darunter versteht?

An der Ecke Lerchenfelder Straße und Lerchengasse wird seit vergangener Woche Antwort darauf gegeben. Das "Langusta" ist ein weitläufiges und dennoch intim wirkendes Lokal, mit schwarzen Wänden, offenem Kamin und vielen großen, weißen Lampenschirmen. Man sitzt an blanken Holztischen mit einfachen Tischsets, die verglaste Straßenfront ist in zahlreiche Schiebetüren unterteilt, im Sommer wird das noch richtig super. In den Parkettboden sind da und dort Glasfliesen eingelassen, darunter wurde weißer Sand und allerhand Muschelzeug aufgeschüttet. Das ist aber auch die einzige Reminiszenz an jene Zeiten, als Lokale, die "Langusta" und "Capri" hießen oder sonstwie nach Urlaub rochen, noch mit Fischernetzen und anderen Mittelmeer-Paraphernalia ausstaffiert sein mussten. Ansonsten: guter Geschmack.

Olive Island Marina

Und zwar ganz besonders aus der Küche. Für die nämlich konnte Mehica seinen Landsmann Daniel Duspara engagieren, der nicht nur jahrelang im Steirereck kochte, sondern zuletzt auch als Küchenchef im Restaurant der oberexklusiven neuen "Olive Island Marina" auf einer kleinen Insel vor Zadar. Und zwar mit dem in Wien noch nicht vergessenen Ausnahmekoch Mario Bernatovic, einst Weibel 3, dann Tantris (München), Alain Ducasse, Danube, Bouley (alle New York) - der ist da Restaurantleiter.

Das sind natürlich ziemlich feine Referenzen, denen Duspara auch alle Ehre macht. Mit feingliedriger, dezidiert französischer Küche, die bei einem Restaurant dieses Namens überraschen mag. Noch erstaunlicher ist aber, wie präzise und unaufgeregt er die Gerichte der täglich variierten Karte schon ab der ersten Woche über die Rampe bringt. Sein bei 60 Grad in Butter pochiertes Lachsfilet (sieht aus wie roh, schmeckt betörend) auf Petersilwurzelpüree und gebratenen Paprika mit Kren vibriert förmlich vor Geschmack. Marinierte Sardinen sind so saftig, wie man sich das bei - diesfalls nur ganz zart - essigsaurem Fisch bislang kaum vorstellen konnte: fantastisch! Richtig köstlich auch die Kalbsstelzen-Ravioli in Salbeibutter, die die ganze Kraft und Deftigkeit des Haxens höchst elegant präsentieren.

Oktopus wird löffelweich geschmort, glasiert und mit wunderbar komplexem Bohnen-Cassoulet gepaart - genau so holt man sich rustikale Gerichte in die Hochküche. Die Weinkarte ist einstweilen noch ein bissl klein, aber mit Bedacht zusammengestellt: Riesling Loibenberg von Knoll, Sauvignon Blanc Poharnig von Sabathi, Pinot Noir Reserve von Juris, einige weitere gute Flaschen, auch aus Friaul und Istrien - was will man mehr? In Summe: eine der besonders erfreulichen Neueröffnungen des Jahres! (Severin Corti/Der Standard/rondo/07/11/2007)