Berlin - Der kasachische Verband hat den des Blutdopings überführten Alexander Winokurow rückwirkend mit einer einjährigen Sperre bis Juli 2008 belegt und gibt dem 34-jährigen Astana-Fahrer damit die Möglichkeit, an den Olympischen Spielen im August in Peking teilzunehmen. Winokurow war bei der diesjährigen Tour de France als einer der Mitfavoriten ins Rennen gegangen und am 21. Juli nach seinem Etappensieg beim Zeitfahren in Albi der Manipulation mit Fremdblut überführt worden.

Der Radsport-Weltverband UCI kann beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne gegen das milde Urteil Einspruch erheben. Das Standard-Strafmaß bei derartigen Fällen beträgt zwei Jahre. Winokurow kam mit einer Einjahressperre davon, obwohl die Dokumente zur Entlastung des Olympia-Dritten von 2000 als "nicht überzeugend" bezeichnet wurden.

Stellungnahme am Freitag

Das Team des Kasachen, bei dem auch der Burgenländer Rene Haselbacher engagiert ist, war nach Bekanntwerden des Dopingfalles aus der 94. Frankreich-Rundfahrt ausgestiegen. Der Kasache bestreitet bis dato jegliches Vergehen. Für Freitag hat Winokurow eine Stellungnahme angekündigt. Sein Landsmann Andrej Kaschetschkin war bei einer unangemeldeten Trainingskontrolle zwei Tage nach dem Ende der Tour, wie zwei weitere Astana-Fahrer im abgelaufenen Jahr, ebenfalls erwischt worden.

Der Deutsche Andreas Klöden fährt in der kommenden Saison weiter für den umstrittenen kasachischen Rennstall, der sich nach den Doping-Fällen neu aufgestellt haben will. Der Freund und ehemalige Team-Kollege von Jan Ullrich, der beim Thema Doping bei der vergangenen Tour de France höchst allergisch reagierte, hatte 2006 für ein Jahressalär von rund einer Million Euro bei der von kasachischen Wirtschafts-Unternehmen gesponserten Equipe einen Zwei-Jahres-Vertrag unterzeichnet.

Die Anti-Doping-Aktivitäten von Astana seien mitausschlaggebend für seinen Verbleib: "Durch die Zusammenarbeit des Teams mit dem renommierten, bereits für CSC tätigen dänischen Mediziner Rasmus Damsgaard ist garantiert, dass Astana für die kommende Saison in Sachen Anti-Doping bestens aufgestellt sein wird. Die Mannschaft wird einen seriösen und nachhaltigen Beitrag für eine saubere Zukunft im Radsport leisten."

Fuentes über Wasser und Brot

Unterdessen äußerte sich der umstrittene Doping-Arzt Eufemiano Fuentes bei einem Sportmediziner-Kongress zu Beginn der Woche zur Doping-Problematik im Radsport. Große Rundfahrten im Radsport, wie die Tour de France oder die Vuelta seien nicht "mit Wasser und Brot" zu bewältigen, "es sei denn, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 28 Stundenkilometern, aber nicht bei den üblichen 42", sagte Fuentes im Internetdienst "cyclingnews" und unterstrich damit indirekt, die aus einer Sicht vorhandene Notwendigkeit zu dopen. Die Länder-Rundfahrten müssten sich radikal ändern, "sonst werden sie verschwinden", meinte Fuentes weiter.

Fuentes verweigert Zusammenarbeit

Fuentes weigert sich, mit deutschen Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten. "Sie sollen nach Gran Canaria kommen und mich suchen", sagte der in St. Bartolome Tirajana auf der Kanaren-Insel lebende 52-jährige Frauenarzt aus Madrid der italienischen Sportzeitung "Gazzetta dello Sport".

Das Landgericht Hamburg hatte im Rechtsstreit zwischen dem mutmaßlichen Fuentes-Kunden Jan Ullrich und dem Molekular-Biologen Werner Franke eine Zeugen-Aussage des Arztes in Spanien über ein Rechtshilfeverfahren angeordnet. Das Gerichtsverfahren in Spanien gegen Fuentes, der sich selbst als "bekannten Radsport-Kriminellen" bezeichnet, ist in der Schwebe, nachdem die Staatsanwaltschaft Berufung gegen die Einstellung eingelegt hatte. Die "Operacion Puerto" mit Fuentes im Mittelpunkt hatte im Mai 2006 für den größten Doping- Skandal im Radsport gesorgt.

Funtes erklärte, als er 1980 in den Radsport gekommen sei, habe jeder Profi seinen eigenen Koffer mit verbotenen Medikamenten dabei gehabt. "Ich habe sie überzeugt, dass es besser ist, nur einen Koffer zu haben, der mir gehört", sagte der Mediziner, der nach seiner Festnahme im Mai 2006 nach Zahlung einer Kaution von 120.000 Euro auf freiem Fuß blieb, der "Gazzetta". Er kritisierte den für die Doping-Tests zuständigen Weltverband UCI: "Das ist, als ob eine Organisation gegen Trunkenheit am Steuer Autofahrer bei Alkohol-Kontrollen ins Röhrchen blasen lässt. Die Polizei muss im Radsport die Kontrollen vornehmen".

Radprofis seien "wie Minenarbeiter, sie kennen ihr Risiko, aber es ist ihre Arbeit." Sport würde "die Gesundheit beeinträchtigen und Ärzte müssen helfen", erläuterte Fuentes, bei dem viele Radprofis, unter ihnen der geständige Jörg Jaksche, der weiter leugnende Ullrich und der gesperrte Italiener Ivan Basso Blutdoping vorgenommen haben sollen. (APA/dpa/Si)