Wien – Die US-Kreditkrise hat ein überraschendes Opfer gefunden: Die ÖBB räumte am Donnerstag ein, infolge schlecht gelaufener Spekulationsgeschäfte eine Wertberichtigung von 80 Millionen Euro vornehmen zu müssen. Die Geschäfte wurden im Zuge eines Schuldentausches getätigt, um Risiko und Zinsenlast der ÖBB zu verringern. Allerdings ging die Rechnung nicht auf, berichtete Format: Zwar wurden bei Abschluss des Schuldentausches 24 Mio. Euro eingenommen, jedoch mussten bisher rund 80 Mio. Euro abgeschrieben werden. Der spekulative Netto-Verlust: 50 bis 60 Mio. Euro. ÖBB Finanzvorstand Erich Söllinger bestätigte die Wertberichtigungen. Allerdings seien mögliche "Bewertungsschwankungen" durch Rückstellungen abgesichert. Darum würde sich nichts am Gewinn von 78 Mio. Euro ändern, der für heuer erwartet wird. Der ÖBB-Aufsichtsratschef, Horst Pöchhacker, kündigte Donnerstagabend an, die Geschäfte von externen Prüfern beziehungsweise vom Rechnungshof prüfen zu lassen. Dies werde er bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 11. Dezember vorschlagen.

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Fast könnte man meinen, wie zerronnen, so gewonnen. Zwar wurden am Donnerstag Spekulationsverluste der ÖBB aus ihren Finanzgeschäften in Höhe von rund 60 Millionen Euro bekannt, die durch Rückstellungen in der Bilanz besichert sein sollen. Aber unterm Strich war es ein guter Tag: Der Nationalrat genehmigte der Staatsbahn einen "Baukostenzuschuss" von 1,9 Milliarden Euro für die Jahre 2008 bis 2013. Und auch die Stadt Wien legte ein paar Millionen auf ihre Vereinbarung mit der ÖBB drauf.

Die Spekulationsverluste entstanden aus einem vor zwei Jahren abgewickelten Schuldentausch. Eigentlich wollte die Bahn damit ihr Risiko und ihre Zinsenlast verringern. Aber die von der US-Immokrise ausgelöste Kreditkrise durchkreuzte alle Hoffnungen, aus anfangs 24 Millionen Euro Gewinn entstand inzwischen der Bedarf für eine "Wertberichtigung" in Höhe von wenigstens 80 Mio. Euro.

Externe Ermittlungen

Externe Prüfer und der Rechnungshof sollen jetzt ermitteln, versuchte ÖBB-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker zu kalmieren.

"Ein guter und teurer Freund", mit Betonung auf teuer: So sieht Wiens Finanzstadträtin Renate Brauner die Beziehung der Stadt Wien zu den ÖBB. Anlass dieser Feststellung war am Donnerstag die Unterzeichnung eines neuen Verkehrsdienstvertrags zwischen den Bundesbahnen und der Stadt Wien. Die Stadt wird die ÖBB-Verkehrsleistungen – die Schnellbahn – in den kommenden fünf Jahren mit jeweils 6,5 Millionen Euro finanzieren, um 2,2 Millionen mehr als 2003. Eine Million zahlt die Stadt zusätzlich für neue Zuggarnituren. Wie viel die ÖBB für Wien ausgibt, wollte ÖBB-Personenverkehr-Vorstand Stefan Wehinger nicht sagen, der Bahnverkehr in der Ostregion koste jedenfalls dreistellige Millionenbeträge. Der Vertrag gilt ab Fahrplanwechsel am 9. Dezember.

Verkürzter Intervall

Die zusätzlichen 2,2 Millionen begründet Brauner damit, dass das Fahrintervall der Vorortelinie S45 – Hütteldorf bis Handelskai – in den Stoßzeiten (6 bis 9 sowie 15 bis 19 Uhr) verkürzt wurde. Die S45 wird im Zehn-Minuten-Takt fahren. Für diese Verdichtung müssten auch neue Züge angeschafft werden – die Talent-Niederflurgarnituren von Bombardier. Zwar werden die Züge in Aachen hergestellt, doch sichere diese Kooperation den Wiener Standort.

Auch mit zusätzlichem Geld wurde die seit Jahren geforderte Intervallverkürzung bei der Flughafenschnellbahn und bei der S80 (Südbahnhof bis Hausfeldstraße) nicht möglich (beide fahren im Halbstunden-Takt). (Marijana Miljkovic/DER STANDARd, Printausgabe, 8.12.2007)