Junge Menschen studieren Theaterwissenschaft, ohne nachher beruflich damit zu tun zu haben. Andere wenden sich der Medizin, Architektur oder Physik zu, um irgendwann enttäuscht, entnervt oder in Erkenntnis eigener Limits aufzugeben. Wieder andere wenden sich der Rechtswissenschaft zu, um später festzustellen, dass sie lieber Künstler geworden wären ... Dass Fehleinschätzungen bei der Entscheidung für ein Studium oder einen Beruf vorkommen können, davon wissen viele ein Lied zu singen.

Warum aber nun ausgerechnet Leute, die den Lehrberuf in Erwägung ziehen, sich einem Eignungstest unterziehen sollen, ist selbst vor diesem Hintergrund nicht schlüssig. Bildungsministerin Claudia Schmied hat recht, wenn sie sagt, dass der Lehrberuf "eine so wichtige Stellung" habe, "dass es wichtig ist, die geeigneten Personen dafür zu gewinnen". Die Wichtigkeit dieser Stellung und die Motivation für intelligente, pädagogisch begabte Menschen sind aber mit einem Eignungstest, der im Übrigen in jungen Jahren bestenfalls vorläufige Ergebnisse zeitigen kann, höchst unzureichend abgebildet. Ganz abgesehen davon, dass man dann eigentlich für alle Studienrichtungen einschlägige Vorprüfungen einführen müsste.

Nein, die Bedeutung des Lehrberufs, sie sollte, wie überall, in der Qualifikation der Ausbildung und einer ihr entsprechenden Entlohnung abzulesen sein. Nach einer gründlichen Studienreform müsste man die Spreu vom Weizen innerhalb der Ausbildungszeit trennen können. Und wenn man guten Lehrern entsprechende Gagen zahlen würde, wäre es sicher denkbar, dass auch Spätberufene sich - nach anderen Studien, Arbeits- und Lebenswegen - einem Beruf zuwenden, der leider heute viel zu oft als minderwertige Dienstleistung diskreditiert wird. (Claus Philipp/DER STANDARD-Printausgabe, 7./8./9. Dezember 2007)