Wien - Werner Vogt war nie ein Mann der leisen Worte. Seit Jahrzehnten prangert der 70-jährige Mediziner aus Tirol, der bis 2000 als Unfallchirurg am Lorenz Böhler Krankenhaus in Wien tätig war, lautstark Fehler im Gesundheitssystem an. Als nunmehriger Pflegeombudsmann im Sozialministerium und Mitglied von Transparency International zog er am Donnerstag auch zur Situation am Wiener Allgemeinen Krankenhaus ordentlich vom Leder.

Die (nicht nur im AKH) gängige Praxis, dass Ärzte auch für ihre privaten Nebentätigkeiten Personal und Infrastruktur der Stadt benützen, bezeichnet Vogt als "Lehrbeispiel dafür, wie weit sich Korruption bereits im Alltag festgesetzt hat".

Nicht selten komme es vor, dass ein "Herr Doktor" eines öffentlichen Krankenhauses Patienten in seine Privatordination "überweise" und damit auch eine raschere Behandlung verspreche. Dabei gehe es um "abermillionen Euro, die die Abkassierer einsacken". Nicht minder fällt Vogts Kritik an den verantwortlichen Politikern aus: "Das schamlose Ausnützen des Gesundheitssystems geschieht unter Duldung und Genehmigung der Politik". Bis auf ein paar Ausnahmen bei den Grünen und bei der ÖVP tue sich in Wien gar nichts von politischer Seite, kritisiert Vogt.

Auf das Argument, dass man gute Ärzte nicht halten könne, wenn sie "nur" das Honorar eines Spitalsarztes erhielten, meint Vogt: "Dann sind es keine guten Ärzte und sollen sofort damit beginnen, zu verschwinden." Seiner Ansicht nach müsse sich ein Arzt eben entscheiden: privat oder Staat.

"Moralische" Aufforderungen würden aber gar nichts bewirken, "das muss von der Politik gesetzlich geregelt werden", fordert Pflegeombudsmann Vogt, der früher auch als Patientenanwalt tätig war, energisch. (simo, DER STANDARD - Printausgabe, 7. Dezember 2007)