Brüssel - Die Außenminister von NATO und EU haben nach einem Treffen in Brüssel die Notwendigkeit eines einmütigen Vorgehens im Konflikt um die abtrünnige serbische Provinz Kosovo betont. Dies sagte der belgische Außenminister Karel De Gucht in der Nacht zum Freitag. "Alle haben unterstrichen, dass wir wenigstens innerhalb der EU einen Konsens brauchen, um nicht die Kontrolle über die Lage zu verlieren", sagte er.

Die Außenminister der 26 NATO-Staaten wollen an diesem Freitag im NATO-Rat in Brüssel vor allem darüber sprechen, was sie im Fall der erwarteten einseitigen Unabhängigkeitserklärung der Kosovo-Albaner tun wollen. Bei einem Treffen der NATO-Außenminister mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow am Freitag wurden deutliche Meinungsunterschiede erwartet. Russland lehnt die von den meisten europäischen Staaten geplante Anerkennung einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung strikt ab. Auch die russische Absicht, am 12. Dezember aus dem Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) auszusteigen, soll besprochen werden.

Die EU-Außenminister, die traditionell am Vorabend der NATO-Sitzung mit den NATO-Außenministern reden, haben bisher noch keine einheitliche Haltung der EU zur möglichen Unabhängigkeit des Kosovo gefunden. De Gucht gab sich jedoch zuversichtlich. "Ich glaube, dass alle einen Konsens wollen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist ziemlich groß. Die Diskussion geht weiter." Im Kreis der 27 EU-Staaten steht das Streitthema Kosovo am Montag bei einem Außenministerrat in Brüssel zur Diskussion an. Vor allem die Slowakei, Zypern und Griechenland sind gegen die Anerkennung eines unabhängigen Kosovo. Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hat dagegen in einem Interview mit dem "Kurier" (Freitagsausgabe) erstmals deutlich für eine Unabhängigkeit der südserbischen Provinz Stellung bezogen. Es gebe keine Alternative zur Unabhängigkeit, sagte der SPÖ-Chef. (APA/dpa)