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Van der Bellen schaut während einer Pressekonferenz unter den Tisch, nachdem er sich zuvor sein Knie angestoßen hatte.

Foto: AP/Ronald Zak
Wien – "Der Vorwurf, ich würde kokettieren, beginnt mich zu irritieren", sagt Alexander Van der Bellen. Immer wieder gerät der Parteichef der Grünen in Verdacht, er würde sich ganz bewusst zum gutmütigen Professor stilisieren, der so ganz anders als die typischen Politiker sei. Alles also nur Show? Nein, versichern Vertraute, die Van der Bellen als mitunter schwierigen Patienten beschreiben. Während die meisten Volksvertreter nach jedem Auftritt vor Kameras gieren, muss der grüne Oppositionsführer, der lieber zuhört als redet, zu Pressekonferenzen oft mühsam überredet werden ("Kann das nicht jemand anderer machen?"). Selbst in Wahlkämpfen taucht Van der Bellen schon einmal geistig ab, weil er sich zum Beispiel gerade in einen dicken Wälzer verbissen hat. Krimis liest der habilitierte Ökonom übrigens gerne mehrmals von vorne bis hinten, ehe er die letzten Seiten in Angriff nimmt – er will den Mörder selbst entlarven. Auf vorbereitete Messages pfeift Van der Bellen gerne, bei einer ORF-"Pressestunde" am Muttertag etwa vergaß er glatt, den Müttern zu gratulieren. Ganz unüblich für seine Kaste leistet er sich sogar den Luxus, auf Journalistenfragen zuzugeben: "Ich weiß es nicht." Doch auch wenn der Obergrüne wie der zerstreute Professor rüberkommt – Parteifreunde beschreiben ihn als Machtmenschen. Van der Bellen hat sich ein Küchenkabinett aufgebaut, das ihm mühsame Parteiarbeit abnimmt – was Kritiker als autoritär anprangern. Ein harter Knochen ist VdB auch, wenn ihn die Partei, wie am Donnerstag, abfeiern will: Der Jubilar sträubt sich nach Kräften. (jo, nw/DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2007)