Will künftig auch im Ausland Hotels betreiben, insbesondere im Südosten Europas: der Chef des Öster-reichischen Verkehrs- büros, Harald Nograsek.

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Die Fußball-EM sieht der Chef des Verkehrsbüros, Harald Nograsek, als exzellenten Werbeträger. Das große Geschäft verspricht er sich hinterher. Warum er keine Eile hat, an die Börse zu gehen, und was er im Reisebüro alles verkaufen will, sagte er Günther Strobl.

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STANDARD: Mit der EURO findet nächstes Jahr im Juni ein in Österreich bisher nicht gesehenes Großereignis statt. Für das Verkehrsbüro müssten goldene Zeiten anbrechen, zumal sie mit Eurotours die größte Incoming-Agentur des Landes besitzen und darüber hinaus Hotels in allen Austragungsorten außer in Klagenfurt haben.

Nograsek: Die Fußball-EM ist ein Superwerbeträger. Gutes Geschäft erwarte ich nach der EURO, die Wirkung wird dann stärker sein. Die Kontingente unserer Hotels sind mehr oder weniger längst vergeben.

STANDARD: Zu höheren Preisen?

Nograsek: Der Juni ist grundsätzlich ein guter Monat. Wir haben die Preise nicht ausgereizt, sondern uns bemüht, langfristige Kunden zu bekommen wie etwa TV-Stationen oder die UEFA. Da sind die Preissprünge zwar nicht so groß, dafür sind wir die ganzen drei Wochen der Veranstaltung gut durchgebucht.

STANDARD: In Österreich betreiben Sie 31 Hotels – 19 davon in Wien, die meisten über Pacht- und Managementverträge. Das Ausland reizt Sie nicht?

Nograsek: Anfang 2008 übernehmen wir in Laibach ein Hotel von der CA-Immo. Außerdem haben wir in Bratislava einen Vertrag für ein Viersternehotel am Rande der Altstadt unterschrieben, das neu gebaut und 2009 aufgesperrt wird. Wir sind Pächter.

STANDARD: Und anderswo?

Nograsek: In Tschechien oder Polen sind wir zu spät dran. Für uns ist Südosteuropa interessant, speziell Belgrad. Die Stadt wird wieder Drehscheibe am Balkan. Wenn politische Hindernisse wie die Auslieferung von Kriegsverbrechern aus dem Weg geräumt sind und EU-Geld fließt, wird es dort einen raschen Aufschwung geben. Längerfristig gesehen werden wir auch den Weg nach Russland wagen.

STANDARD: Sie haben eine starke Stellung im Viersterne-Segment und mit dem Joint Ven-ture Motel One seit kurzem auch einen Fuß im Low-Budget-Bereich. Was noch fehlt, ist ein Fünfsternetempel.

Nograsek: Die gastronomische Komponente bei der Fünf-Sterne-Kategorie ist mit erheblichem Aufwand verbunden, der die Ertragskennzahlen drückt. Wir konzentrieren uns lieber auf das Vier-Sterne- und Vier-Sterne-Plus-Segment.

STANDARD: Sie haben kürzlich die Kulinarik an Vivatis verkauft, was ist noch im Angebot?

Nograsek: Grundsätzlich sind wir dort, wo wir hinwollen: Tourismus mit den Reisebüros und Hotellerie. Bei den Reisebüros sind die Margen klein. Dort müssen wir bessere Erträge erwirtschaften.

STANDARD: Nach dem Zusammenschluss von Verkehrsbüro und Ruefa haben Sie der Sparte ein Diätprogramm verordnet, das zur Schließung von 40 der zuvor 190 Standorte geführt hat. Wird die Diät jetzt verschärft?

Nograsek: Auch Diätprogramme sind enden wollend. Jetzt ist Kreativität angesagt.

STANDARD: Das heißt was genau?

Nograsek: Wir habe in unseren österreichweit 150 Filialen sehr gute Kundenbeziehungen und eine Vertrauensbasis aufgebaut. Das ist ein Asset. Neben Reisen verkaufen wir auch Reiseversicherungen. Wir denken nach, wie wir die Angebotspalette erweitern können.

STANDARD: Mehr Dienstleistungen um das Kernprodukt Reise?

Nograsek: Zu Beginn, ja. Mit der Zeit können die Produkte allein stehen. Tchibo in Deutschland beispielsweise verkauft nicht nur Kaffee und diverse Zusatzartikel, sondern auch Finanzdienstleistungsprodukte in den Filialen. Warum sollten wir nicht mit anderen Produkten zusätzlich Geld verdienen?

STANDARD: Zeithorizont? Nograsek: Der erste Schritt ist, dass man einen Geschäftsplan macht. Das dauert sicher bis zu einem Jahr.

STANDARD: Dann sind Sie vielleicht schon an der Börse?

Nograsek: Wir sind fit. Mit Abgabe der Kulinarik haben wir gebundene Mittel freibekommen, sodass wir Akquisitionen bis zu einer gewissen Größe aus eigener Kraft stemmen können. Sollte ein Kauf anstehen, der unseren Muskel überspannt, werden wir an unsere Aktionäre herantreten. Wenn die sagen, geht an die Börse, werden wir das tun. Derzeit besteht keine Notwendigkeit dazu. Außerdem sind die Zeiten vorbei, dass man an die Börse geht und sagt, ich hole mir Geld und erzähle später, was ich damit mache. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.12.2007)