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Zur Person:
Der u. a. in Deutschland ausgebildete Jurist und Politikwissenschafter Antonio Milososki (31) ist seit September 2006 Außenminister.

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Der mazedonische Außenminister Antonio Milososki plädiert für eine möglichst rasche Lösung der Kosovo-Frage. Gewalttätige Vorfälle will er nicht ausschließen. Die großen Kriege am Balkan seien aber vorbei, sagte er zu Adelheid Wölfl in Skopje.

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STANDARD: Wann wird der Kosovo seine Unabhängigkeit erklären, und wann wird Mazedonien den Kosovo anerkennen?

Milososki: Vermutlich wird es keine unilaterale Unabhängigkeitserklärung geben, sondern eine koordinierte Form der Unabhängigkeit. Wir sind nicht das Land, das den finalen Status definieren wird. Aber wir sind ziemlich davon überzeugt, dass jeder endgültige Status besser ist als der Status quo. Der ist nicht nachhaltig.

STANDARD: Heißt das, dass Mazedonien abwarten wird, bis die USA und die wichtigsten europäischen Ländern einen unabhängigen Kosovo anerkannt haben?

Milososki: Wir beeilen uns nicht, aber wir werden nicht ignorant sein, weil wir direkte Nachbarn vom Kosovo und Serbien sind. Und wenn wir von einer koordinierten Unabhängigkeit sprechen, so wird Mazedonien natürlich als Kandidatenland für die Nato und die EU seine Position mit Brüssel und Washington koordinieren.

STANDARD: Also wird Mazedonien gleichzeitig mit Brüssel und Washington die Unabhängigkeit anerkennen?

Milososki: Ich vermute, dass der endgültige Status nicht individuell anerkannt wird, sondern es wird ein paar Wellen der Anerkennung geben. Mazedonien ist ein direkter Nachbar, je früher, desto besser ist es, wenn es seine Position definiert.

STANDARD: Wird es am Nato-Gipfel im April in Bukarest so weit sein, und erwarten Sie, dass Mazedonien auf diesem Gipfel eine Einladung zum Nato-Beitritt bekommt?

Milososki: Wir sind nicht mehr die Nutznießer der Sicherheitsunterstützung wie noch vor sieben, acht Jahren, sondern tragen selbst etwa bei der Mission Althea in Bosnien zur Sicherheit am Balkan bei. Also fühlen wir uns schon mit einem Bein in der Nato. Wir erwarten, dass unsere Errungenschaften und jene von Albanien und Kroatien bei der Nato hoch geschätzt werden. In Bukarest Einladungen auszusprechen wäre also die richtige Entscheidung. Ob das mit dem Kosovo-Status zugleich kommt, kann ich jetzt nicht einschätzen, aber es ist natürlich möglich.

STANDARD: Ist es gefährlich, wenn man bis April wartet? Könnte es wieder zu Gewalt kommen, wie im mazedonischen Brodec im November?

Milososki: Je früher desto besser. Ob es im April zu spät ist, darüber sind wir uns nicht sicher, aber wir sind sicher, dass eine nicht notwendige Verlängerung des Prozesses nicht empfehlenswert ist.

STANDARD: Serbien droht jenen mit Maßnahmen, die die Unabhängigkeit anerkennen.

Milososki: Mazedonien hat nicht das Kosovo-Problem kreiert, das Problem wurde damals vom Milosevic-Regime gemacht. Deshalb fühlen sich die Nachbarn Serbiens nicht schuldig dafür, dass sich Serbien heutzutage in dieser Lage befindet. Wir haben aber Verständnis für die komplizierte Lage der serbischen Regierung. Wir sind der Meinung, dass je früher das Kosovo-Problem gelöst wird, desto besser ist es gerade für Serbien. Weil dann werden sich nämlich ausländische Investoren sicherer fühlen. Und auch wenn Kroatien, Albanien und Mazedonien Mitglied der Nato sind. Das wäre wirklich ein guter Rutsch in ein neues Kapitel.

STANDARD: Sind Sie sicher, dass es keine Ausschreitungen nach dem Kosovo-Status geben wird?

Milososki: Wegen der Spannungen im Kosovo und in Serbien können wir nicht sagen, dass es keine kleineren Zwischenfälle, vielleicht auch in der Nachbarschaft geben wird. Aber die großen Kriege am Balkan sind vorbei. (Adelheid Wölfl, STANDARD, Printausgabe 10.12.2007)