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Franco Foda, der Trainer von Sturm, setzt auf Teamgeist und Leidenschaft. Bis 2010 hat er sich an den Klub gebunden.

Foto: Reuters/Zolles
Standard: Sturm ist nach zweieinhalb Jahren wieder Tabellenführer in der Bundesliga. Sie meinten, das sei lediglich eine Momentaufnahme. Ist es nach 22 von 36 Runden nicht doch ein wenig mehr?

Foda: Natürlich ist es schön, man soll den Blick auf die Tabelle genießen. Aber nur ganz kurz. Die Mannschaft hat sich gut entwickelt, sie zeigt einen attraktiven Fußball. Wichtig ist, dass die Gedanken klar bleiben, man darf sich nicht blenden lassen. Es stehen 14 Spiele aus. Meister müssen andere werden, Salzburg oder die Austria. Die haben das geplant, dafür investiert.

Standard: Eigenlob stinkt zwar, aber wie groß ist Ihr Anteil am Erfolg?

Foda: Das will und kann ich nicht beantworten, jeder im Verein trägt dazu bei. Der Trainer spielt nicht mit, er steht neben dem Platz. Also haben den größten Anteil immer die Spieler. Auf sie kommt es an.

Standard: Bei allem Respekt: Ist Sturms Stärke nicht auch eine weiterer Beleg für die Schwäche der österreichischen Liga? Mit 36 von 66 möglichen Punkten ist man Spitzenreiter. Das ist einzigartig in Europa.

Foda: In Österreich neigt man zur Schwarzmalerei, es wird alles schlechtgeredet. Natürlich sind die internationalen Leistungen nicht befriedigend. Beim Scheitern der Austria im UEFA-Cup vergisst man aber, dass auch in Griechenland Fußball gespielt wird. Wir sollten uns über die Ausgeglichenheit in der Liga freuen. Das Tempo bei unserem Spitzenspiel gegen die Austria war durchaus beachtlich. Dass es zum Beispiel in Spanien höher ist, sollten wir endlich akzeptieren.

Standard: Widerlegt Sturm momentan die These, dass Geld Fußball spielt?

Foda: Nein. Wo am meisten investiert wird, wird auf Dauer auch der beste und erfolgreichste Fußball gespielt. Aber es gibt Ausnahmen. Von den Möglichkeiten her hätte Stuttgart niemals deutscher Meister werden können.

Standard: Sie haben als Spieler die im Nachhinein gar nicht so goldenen Zeiten unter Hannes Kartnig erlebt. Als Trainer waren Sie vom Konkurs betroffen. Inwieweit prägten Sie die Aufs und die Abs?

Foda: Natürlich ging das nicht spurlos an einem vorbei. Die 13 Punkte Abzug in der vorigen Saison waren der absolute Tiefpunkt, tiefer ging es wirklich nicht mehr. Ich habe gelernt, sowohl im Misserfolg als auch im Erfolg realistisch zu sein. Als ich noch spielte, hat die Mannschaft die Bodenhaftung niemals verloren. Das Rundherum konnten wir nicht beeinflussen. Und jetzt macht es einfach Spaß, es gab einen Reinigungsprozess. Der Teamgeist passt, die Spieler fahren gemeinsam in den Urlaub, der Zusammenhalt ist die Grundlage für die Leistungen. Wir mussten sparen, konnten uns trotzdem verstärken, die Selbstfindungsphase war nur kurz. Das große Verletzungspech blieb uns erspart. Das macht die Momentaufnahme für Außenstehende erklärbar.

Standard: Sie haben Ihren Vertrag bis 2010 verlängert. Keine Lust auf Veränderung?

Foda: Nein, weil es hier Perspektiven und Leidenschaft gibt. Man möchte sich langfristig einen internationalen Startplatz sichern. Die Fans sind einmalig, Sturm ist Kult.

Standard: Am Samstag gastiert in der letzten Runde vor der Winterpause das reiche Red Bull Salzburg in Graz. Fürchten Sie, dass Ihre Mannschaft den Rollentausch vom Jäger zum Gejagten nicht packt?

Foda: Überhaupt nicht, wir haben unsere Erwartungen bereits weit übertroffen. Das Weihnachtsfest ist, obwohl es mit Fußball nichts zu tun haben sollte, jetzt schon schön. Das Stadion wird ausverkauft sein, wir werden alles geben, die Führung mit Haut und Haar verteidigen. Das Saisonziel bleibt ein Platz zwischen vier und sieben. Sollten wir zwei Runden vor Schluss immer noch vorn sein, definieren wir uns eben neu. Da gäbe es dann mit Sicherheit eine ganz andere Momentaufnahme. (Chistian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 11. Dezember 2008)