Rechnen fällt leichter und macht mehr Spaß, wenn auch einmal der Boden als Tafel herhalten darf.

Foto: DER STANDARD/Hendrich
Ein Blick in die Programmvorschau des math.space spricht für sich: Kaum ein Vortrag oder Workshop, der nicht bis ins Frühjahr hinein mit dem Hinweis "Ausgebucht" versehen ist.

Seit der Eröffnung des math.space vor fünf Jahren ist der Veranstaltungsraum im Wiener Museumsquartier schon so manches Mal aus allen Nähten geplatzt, wie Starmathematiker Rudolf Taschner, einer der Begründer und Betreiber des Projekts, erzählt: "Als uns der Zauberkünstler und Stanford-Professor Persi Diaconis besuchte und eigentlich nur Mathematik erklärte, sind die Leute draußen gestanden und haben durchs Fenster reingeschaut. Wir hätten nie mit 350 Leuten gerechnet."

Insgesamt 120.000 Personen, darunter viele Schulklassen, haben seit Jänner 2003 die rund 2500 Veranstaltungen besucht, welche sich der spielerischen und breitenwirksamen Vermittlung von ansonsten trockener Materie widmeten. Programme wie "Einstein rechnet", "Mathematik zum Be-Greifen" oder "Die schönste Formel" hätten stets das Ziel, der Mathematik den Nimbus des Schulgegenstandes zu nehmen und stattdessen ihren Stellenwert als kulturelle Errungenschaft darzulegen, erklärt Taschner, der erst kürzlich mit dem PR-Preis "Kommunikator des Jahres 2007" ausgezeichnet wurde.

Die Schnittstelle zur Kunst wurde besonders deutlich mit der Aufführung des Theaterstücks "Kalkül" von Carl Djerassi über die Erfindung der Differenzialrechnung oder die Aktion "Mathematik im Freien", bei der 500 Kinder den Hof des Museumsquartiers in eine überdimensionale Rechentafel verwandelten.

"Der größte Erfolg ist, dass Mathematik in der Öffentlichkeit besser angesehen ist", bilanziert Taschner, der am Institut für Analysis und Scientific Computing der Technischen Universität Wien lehrt. "Mathematik soll wie ein Parfum wirken. Es soll riechen, aber schlucken soll man es nicht. In der Schule muss man Mathe aber meist schlucken."

Das kommende Jahr steht nicht nur im math.space, das unter anderem von Unterrichts-, Wissenschafts- und Technologieministerium gefördert wird, ganz im Zeichen der Mathematik. Schließlich wurde 2008 zum "Jahr der Mathematik" erkoren. Eine Veranstaltungsreihe wird dem Rätsel der Primzahlen auf die Spur gehen, wie Taschner ankündigt. "Es wird zum Beispiel um die Zahl 4.294,967.297 gehen. Hundert Jahre lang hat man geglaubt, dass es eine Primzahl ist, bis Leonhard Euler herausfand, dass es keine ist."

Im Jahr der Fußball-Europameisterschaft wird es natürlich auch um das runde Leder gehen: "Wir zeigen, warum ein Fußball aus Sechs- und Fünfecken besteht, warum das Feld so groß ist und warum es Elfmeter heißt und nicht Zehnmeter", verrät Taschner.

Fünf Jahre math.space wird am Mittwoch im Auditorium des Mumok gefeiert. (kri/DER STANDARD, Printausgabe, 12.12.2007)