Mumbai/Wien - Nach der neuerlichen Zinssenkung in den USA hat sich Wirtschaftsminister Martin Bartenstein für eine Beibehaltung der EZB-Leitzinsen ausgesprochen. "Die Europäische Zentralbank (EZB) ist gut beraten, in ihrer Zinspolitik weiter innezuhalten", sagte Bartenstein am Rande einer Wirtschaftsmission in Indien. Gleichzeitig kritisierte er im Gegensatz zur Wirtschaftskammer, dass die Zinsen zu lange zu niedrig gewesen seien.

Aktuell gebe es zwei entgegengesetzte Interessen in der EZB. Auf der einen Seite schätze die Europäische Zentralbank das Inflationsrisiko nach wie vor höher ein als die US-Notenbank Fed. Auf der anderen Seite würden die Wachstumsraten der Weltwirtschaft im nächsten Jahr schwächer ausfallen, so Bartenstein. Die Kreditkrise sei außerdem noch weit von ihrem Ende entfernt, habe doch erst zu Wochenbeginn die größte Schweizer Bank UBS in Folge der US-Hypothekenkrise weitere 10 Mrd. Dollar (6,82 Mrd. Euro) abschreiben müssen.

Die Notenbanken macht Bartenstein für die Entwicklung zum Teil mitverantwortlich. "In der Weisheit des Rückblicks wird klar, dass die Zentralbank zu lange zu billiges Geld zur Verfügung gestellt hat - nicht nur in den USA", kritisierte der Wirtschaftsminister.

EZB-Direktoriumsmitglied Jürgen Stark hatte erst am Montag erklärt, die Teuerungsrate könne 2008 höher ausfallen als erst vergangene Woche von der Zentralbank in ihren neuen Projektionen mit zwei bis drei Prozent veranschlagt. Die Notenbank sieht Preisstabilität bei unter zwei Prozent gegeben. Liegt die Inflation länger darüber, werden die Zinsen üblicherweise angehoben.(APA)