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Vastic, der Fußballer der Jahre 1995, 1998, 1999, 2007.

Foto: APA/ Rubra
Wien - Wie die Legende geht, tauchte er eines Tages vor rund 150 Jahren mit einem Plastiksackerl in der Hand auf der Hohen Warte auf und fragte schüchtern, ob er vielleicht mitspielen dürfte. Der Rest ist Geschichte. Seit Ivica Vastic (38) 1991 bei der Vienna ins heimische Fußballgeschehen eingriff, ist mehr Finesse, Witz und Kreativität im Spiel. Falls der Sport und sogar der beinharte Profikick eine integrative Kraft entfalten, so hat sie bei Vastic gewirkt, und nicht zum Nachteil von Österreich.

Vastic hat auch angesichts seines fortgeschrittenen Alters und seiner langsamer werdenden Spielweise die Hoffnung nicht aufgegeben, bei der EURO 08 beispielsweise gegen seine ehemaligen Landsleute aus Kroatien anzutreten. "Ich gebe nicht auf und bohre weiter", sagte er gestern. Das Team könnte Vastics feine Klinge gut brauchen, aber auch er ist dem internationalen Fußball bereits entwachsen.

Die Bundesliga dominiert er nach wie vor, mit Kühbauer, Baur, Zickler, Kovac, Drechsel, Blanchard ist er ein Posthornton aus einer im Rückblick als geistvoller als die modernen Tage verklärten Zeit. Österreichs Liga dient im Unterschied zu den Wettbewerben in anderen Ländern nicht primär der Auseinandersetzung, sondern der Befriedung mit der eigenen Vergangenheit.

Das lässt sich nicht zuletzt an Vastics Karriere nachweisen. In Kroatien hatte er eine kleine Karriere begonnen, er wanderte nach Österreich aus und erhielt nach fünf Jahren Tätigkeit im heimischen Fußball 1996 die Staatsbürgerschaft. Sein Tor zum Ausgleich gegen Chile im WM-Spiel wurde vom Boulevard zum Anlass genommen, ihn zum "richtigen" Österreicher zu erklären. Es waren Vastics goldene Jahre bei Sturm Graz unter dem geliebten Ivica Osim und mit dem stets misstrauisch beäugten Klubchef Hannes Kartnig.

Der begleitete Vastic seinerseits immer mit der ambivalenten Zuneigung, die dessen für heimische Verhältnisse beinahe unvergleichliche Fähigkeit, ein Spiel zu lesen und zu schreiben, liebte, aber den als übertrieben erachteten Selbstschutz als unmännlich verhöhnte. Keiner wurde so oft gefoult wie Vastic, niemand gab so oft der Schwerkraft nach wie er. Wie dem inspirierten Raubein Kühbauer aber gelang es auch ihm, länger als die meisten anderen nicht nur mitzumachen, sondern auch anzuschaffen.

Inzwischen hat ihn die ausgleichende Ungerechtigkeit eingeholt, die Auszeichnung zum Spieler des Jahres 2007 durch die zehn Trainer der T-Mobile-Liga macht Zurücksetzungen wie bei der WM '98 nicht gut, als er, auf dem Zenit seiner Fähigkeiten und Form, dem rekonvaleszenten Andi Herzog weichen musste. Just den damaligen Teamchef Herbert Prohaska, der dreimal Jahreskicker war, hat Vastic mit der vierten Auszeichnung nun abgehängt.

Er ließ sich nie auf Polemiken ein und trug, nachdem er sich mit Kartnig zerstritten hatte, auch die schlechte Nachrede mit Würde, erst nach Japan, dann zur Austria. Als er zum LASK in die zweite Leistungsstufe ging, wollte man sein Verschwinden konstatieren. Aber nicht nur er kam wieder, er brachte einen ganzen Verein mit. Vielleicht das ultimative Zeichen, wie verliebt, ja besessen dieser Mensch von diesem Spiel ist. Vielleicht haben die Trainer genau diese Kraft gewürdigt und in ihrem Träger ein Vorbild für die Launen und Jungen gefunden. (Johann Skocek, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 13. Dezember 2007)