Berlin - Optimistisch in die Zukunft blickt offenbar der deutsche Pharmakonzern Bayer Schering samt Bayer HealthCare mit seinen Veterinär- und Consumer-Produkten. "Vor vier Jahren hatten wir einen Jahresumsatz von acht Mrd. Euro. Heute sind es 15 Mrd. Euro. Wir konzentrieren uns mehr auf 'Spezialitäten' bei den Arzneimitteln als auf Massenprodukte", sagte der Vorstandsvorsitzende in beiden Gesellschaften, Arthur Higgins, am Mittwoch vor Journalisten am Hauptsitz des Konzerns in Berlin.

Die starke Erhöhung des Umsatzes geht natürlich auch auf die 2006 erfolgte Übernahme von Schering durch den Leverkusener Bayer-Konzern zurück. Die nach dem Desaster mit einem Cholesterinsenker im Jahr 2001 entwickelte Strategie dürfte laut Higgins aufgehen: "70 Prozent unserer Umsätze im Pharma-Geschäft machen echte Arzneimittel-Spezialitäten aus. Für sie benötigen wir auch nicht diese riesigen Marketing- und Verkaufsstäbe, wie man sie bei Produkten für die primäre Gesundheitsversorgung benötigt. Bei unserem neuen Medikament 'Nexavar' zur Behandlung von Nieren- und Leberkrebs kommen wir mit einem Stab weltweit von weniger als 500 Personen aus."

Anti-Thrombose-Mittel

Die größten Hoffnungen setzt Higgins derzeit in das Anti-Thrombose-Mittel "Rivaroxaban" ("Xaralto"). In klinischen Studien hat es eine um bis zu 80 Prozent bessere Wirkung als das bisher verwendete niedermolekulare Heparin gezeigt. Das Arzneimittel ist in Europa bereits zur Zulassung angemeldet. Der Bayer Schering Pharma-Chef: "Dieses Medikament wird international als eines der drei Top-Arzneimittel in Entwicklung gesehen. Es könnte einen Jahresumsatz von drei bis fünf Mrd. Euro bringen und somit ein echter Blockbuster werden."

Von Jänner bis einschließlich September dieses Jahres hat sich der Umsatz des gesamten Bayer Health-Care Bereichs (Pharma, Consumer Care, Veterinärprodukte und Diabetes-Produkte) Bereichs um sieben Prozent auf elf Mrd. Euro erhöht. Die reinen Pharma-Umsätze erhöhten sich hingegen in den ersten neun Monaten 2007 um sechs Prozent. Higgins: "Wir hatten vor vier Jahren einen Jahresumsatz von acht Mrd. Euro bei einem EBITDA zwischen 14 und 15 Prozent. Heute sind es 15 Mrd. Euro mit einem EBDITA von 25 Prozent. Das Ziel sind 29 Prozent im Jahr 2009."

40 Prozent der Umsätze macht Bayer Schering Pharma in Europa, zehn Prozent in sich entwickelnden Märkten wie Russland, Brasilien, China etc. Der Vorstandschef: "Wir wachsen schneller als der Markt und liegen unter den Pharmakonzernen weltweit etwa auf dem achten oder neunten Platz. In Märkten wie Brasilien etc. sind wir aber unter den Top fünf, in China sind wir das am schnellsten wachsende Pharmaunternehmen und können dort sogar erste werden." Sollte es lohnende Chancen auf sinnvolle Übernahmen anderer Unternehmen geben, werde man womöglich zuschlagen. Andererseits müsse man auch sehen, dass heute jeder Pharmakonzern auch ein potenzieller Übernahmekandidat sei. (APA)