Wien – Der "Renner" der späten 90er-Jahre, die Fremdwährungskredite, erweisen sich für viele derzeit als Bumerang. Die AKNÖ registriert einen rasanten Anstieg der Beratungsleistungen, denn viele Kunden müssen mittlerweile deutlich mehr zurückzahlen, als beim Abschluss des Kreditvertrages angenommen.

Ausschlaggebend dafür sind die stetig steigenden Schweizer Zinsen. Dazu kommt, dass die meisten Kredite endfällig sind, also während der gesamten Dauer (meist 20 Jahre) die Zinsen vom gesamten ausgeliehenen Kapital bezahlt werden müssen. Und: "Die Berater haben in ihren Modellrechnungen für die Tilgungsträger (meist eine fondsgebundene Lebensversicherung) in diesem Zeitraum unrealistisch hohe Renditen einkalkuliert, um Kunden zu ködern", kritisiert Konsumentenschützer Manfred Neubauer.

Betrug die Zinsdifferenz zwischen Franken und Euro im Jahr 2003 noch 2,5 Prozent, hat sie sich bis zum Sommer 2007 auf 1,3 Prozent fast halbiert. Wenn sich jemand im Herbst 2003 150.000 Euro (endfällig) aufnahm, war er mit Zinserhöhungen von ursprünglich 1,9 auf 4,2 Prozent (effektiv) in den vergangenen drei Jahren konfrontiert. Die monatliche Rate stieg von zunächst 237,50 Euro auf 525 Euro bzw. 121 Prozent.

Beim selben Kredit in Euro stiegen die Zinsen von 3,3 auf 6,2 Prozent (effektiv). Die monatliche Belastung erhöhte sich von 412,5 auf 775 Euro oder 88 Prozent. Allerdings wurden aus Vergleichsgründen beide Finanzierungen zunächst endfällig gerechnet. Der Unterschied zum Euro wird noch größer, wenn statt der endfälligen eine Tilgungsvariante gewählt wird: Denn bei einem Euro-Kredit sind nach drei Jahren ziemlich genau zehn Prozent des Kapitals getilgt. Die monatliche Zinsrate würde nur 697,5 Euro ausmachen, also eine Steigerung von 69 Prozent (statt 121 Prozent beim Franken-Kredit).

Geringere Rendite

Bei den Tilgungsträgern, also dem parallelen Ansparen, womit man am Ende der Kreditlaufzeit den Kredit tilgt, zeigt die Praxis: Bleibt die tatsächliche Rendite bei einer sechsprozentigen Prognose auf 20 Jahre nur um zwei Prozent darunter, entsteht bei einem Ansparziel von 150.000 Euro ein Loch von 30.660 Euro, das der Kunde bei Fälligkeit stopfen muss, so Neubauer.

Angesichts der günstigen Wechselkursentwicklung rät Neubauer, einen Ausstieg aus dem Franken-Kredit samt Umstiegskosten zu prüfen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.12.2007)