Als Regierungsmitglied nicht mehr tragbar: Christoph Blocher ist abgewählt - eine knappe Mehrheit des Schweizer Parlaments hat dem Justizminister das Vertrauen entzogen. Linke und Grüne waren immer gegen ihn, wegen seiner Fremdenfeindlichkeit, seines radikalen Staatsabbau-Kurses und seines mangelnden Respektes für die Gewaltentrennung. Aber auch die Mehrheit der Christdemokraten und einige liberale Bürgerliche haben mittlerweile eingesehen, dass das vor vier Jahren eingegangene Experiment, Blocher in die Regierung und damit in die Verantwortung einzubinden, gescheitert ist.

So konnte die spektakuläre Kehrtwende geschehen. Blocher abgewählt - obschon seine Partei mit 29 Prozent die Parlamentswahlen im Oktober gewonnen hatte und er selber einer ungefährdeten Wiederwahl entgegenzugehen schien.

Bloß: Ob als Bundesrat oder als Oppositionsführer - Christoph Blocher wird der Schweiz erhalten bleiben. Falls die Schweizerische Volkspartei, die bei weitem stärkste politische Kraft im Lande, voll auf Oppositionskurs einschwenkt, kann sie der Regierung das Leben sehr schwer machen; vor allem dann, wenn Blocher, wie angedroht, tatsächlich wieder Parteichef wird und mit seinem Millionenvermögen erneut die Propaganda-Maschinerie der SVP schmiert.

Doch die Schweizer Konkordanz-Demokratie ist damit nicht am Ende. Es war gerade Blochers SVP, die den Gedanken der Konkordanz - des Aushandelns von tragfähigen Kompromissen, der Rücksichtnahme und Fairness - immer wieder mit Füßen getreten hat. Eigentlich hat die Partei auch in der Regierung Oppositionspolitik betrieben. Und das Parlament hat sich für die Konkordanz entschieden, indem es nun zwei gemäßigte SVP-Politiker in den Bundesrat gewählt hat, mit denen ein Regieren nach Schweizer Muster - wieder - möglich wäre. (DDER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2007)