Karl Schwillinsky kocht ab sofort in diesem unverfälschten Wirtshaus in Langenlois.

Foto: Gerhard Wasserbauer

Im Sommer wird der stimmungsvolle Hof bespielt.

Foto: Gerhard Wasserbauer

"Himmel und Erde" nennt sich ein Klassiker auf den ansonsten häufig wechselnden Speisekarten von Karl Schwillinsky. Die Komposition aus gebratener Apfel- und Blunzenscheibe mit etwas Erdäpfelpüree in der Mitte und bestem Bratensaft rundherum ist tatsächlich großartig und jederzeit geeignet, selbst stocksture Blunzen-Verächter augenblicklich in Adoranten zu verwandeln.

Auch sonst hat sich, mit der erheblichen Ausnahme des Ortes, wenig verändert, seit Schwillinsky mit seiner Partnerin, der Winzerin Barbara Öhlzelt, den zusehens baufälligen Gasthof in Plank am Kamp verließ, um ein traditionsreiches Wirtshaus in Langenlois zu übernehmen. Das hieß nach einer Serie mehr oder minder glückvoller Betreiber zuletzt Trappmaier und ist eine Flucht holzgetäfelter Gastzimmer mit prächtigem, altem Parkett, atmosphärisch dichten Gewölben, einem stimmungsvollen Hofgarten und 1a Ausblick auf den Kirchenplatz. Der Schankwein, ein aufrechter Grüner Veltliner von Öhlzelt, kostet gerade mal 1 Euro je Achterl, allein dafür gebührt dem Wirt ein Orden.

Gutbürgerliche Küche

Hier wird ganz grundsätzlich den Idealen der gutbürgerlichen Küche gehuldigt, die anderswo längst der gefürchteten Verfeinerung anheimgefallen sind. Es gibt ein schulmäßig souffliertes Kalbswiener mit Petersilkartoffeln und gemischtem Salat, Zwiebelrostbraten von der Beiried mit einem Berg knusprig-süßer Zwiebelringe, ein köstliches Wurzelfleisch vom Waller in kümmeligem Sud mit ordentlich Kren. Saftige, wunderbar mürbe Kalbsbackerl mit geschmorten Maroni, Brokkoli und molligem Rotweinsaftl waren überhaupt die Besten seit sehr langem. Zur Vorspeise sollte man sich den Waldviertler Rohschinken nicht entgehen lassen, die ziemlich fette Garnitur aus frittiertem Rucola kann man sich ja wegdenken. Vegetarische Gerichte (Risotto, Gnocchi mit Pilzsauce ...) gibt es auch. Die Weinkarte bietet ausschließlich Gewächse aus der Gegend, die allesamt glasweise verkostet werden können. (Severin Corti/Der Standard/rondo/14/12/2007)