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Foto: APA/dpa/Sönke Möhl
München - Das ifo Institut sieht wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten erhebliche Risiken für die Konjunktur und hat seine Wachstumsprognose für Deutschland für kommendes Jahr deutlich gesenkt. Nach 2,5 Prozent Wachstum im laufenden Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt 2008 voraussichtlich nur noch um 1,8 Prozent zulegen, sagte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Donnerstag in München.

Für 2009 sei nach ersten Schätzungen ein Wachstum von 1,5 Prozent zu erwarten. Derzeit erlebe die Wirtschaft zwar einen "goldenen Oktober", doch zeigten sich aus Richtung USA Gewitterwolken am Horizont. "Die weltwirtschaftliche Konjunktur kühlt sich sichtbar ab", sagte Sinn.

Die Arbeitslosigkeit dürfte nach ifo-Einschätzung in den kommenden beiden Jahren weiter zurückgehen, allerdings mit langsamerem Tempo. Nach durchschnittlich knapp 3,8 Millionen Arbeitslosen im laufenden Jahr rechnen die Konjunkturforscher für 2008 noch mit knapp 3,5 Millionen und 2009 mit knapp 3,4 Millionen Arbeitslosen. Der Aufschwung am Arbeitsmarkt habe in den vergangenen Jahren "eine unglaubliche Dynamik" entwickelt. Das bedeute "ein Verlassen eines jahrzehntelangen Trends", da die Arbeitslosigkeit in Boom-Phasen in den vergangenen Jahren weiter gestiegen sei, sagte Sinn.

Wachsende Kaufkraft

Die wachsende Beschäftigung dürfte im kommenden Jahr für mehr Kaufkraft der privaten Haushalte sorgen und den anhaltend schwachen Konsum endlich wieder anspringen lassen, erwartet das Institut. Dies habe auch maßgeblichen Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung. Da die Investitionstätigkeit wegen des Vorziehens von Projekten auf 2007 nachlassen dürfte, werde die bisher wichtigste Stütze der Binnennachfrage geschwächt. "Es hängt alles am Konsum", sagte Sinn.

In diesem Jahr sei der private Konsum um 0,2 Prozent gesunken - wegen der Mehrwertsteuererhöhung. "Die Mehrwertsteuer hat den ganzen Zuwachs an Nettolöhnen verfrühstückt", sagte Sinn.

Zuletzt war das ifo Institut von 2,6 Prozent Wachstum in diesem und 2,5 Prozent im kommenden Jahr ausgegangen. Mit der jetzigen Prognose liege man deutlich unter der Gemeinschaftsdiagnose aus dem Herbstgutachten, sagte Sinn. Darin hatten Wirtschaftsforscher ein Wachstum von 2,2 Prozent für 2008 vorausgesagt. Die ifo-Experten sähen derzeit jedoch eine "zusätzliche Abschwächungstendenz".

Die Prognose sei allerdings "mit sehr hohen Risiken behaftet", weil nicht absehbar sei, wie sich die Dollarschwäche und die bereits hohen Ölpreise weiterentwickelten, sagte Sinn. (APA/dpa)