Wien - In einen "Ort der fröhlichen Aufklärung" will Gerald Matt das Österreichische Parlament verwandeln. Gemeinsam mit Stella Rollig, der Direktorin des Linzer Lentos Museums, wird der Wiener Kunsthallen-Direktor in den kommenden drei Jahren die künstlerische Gestaltung des Hauses übernehmen. Genaue Listen mit Ausstellungen und Werken sollen folgen, die Namen Maria Bussmann, Günther Brus oder Bernhard Frühwirth, aber auch Gerwald Rockenschaub, Johanna Kandl und Herbert Brandl wurde aber bereits genannt.

"Aufarbeitung jüngerer Kunstgeschichte"

"Vom 1. Jänner bis gestern hatten wir über 110.000 geführte Besucher im Parlament", erklärte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. "All diese Menschen sollen für zeitgenössische Kunst, auch als Bestandteil der Demokratie, interessiert werden."

Man habe sich für künstlerische Medien entschieden, mit denen ein wenig kunstnahes Publikum noch nicht sehr vertraut ist: "Zeichnung und Fotografie", wie Matt es für seine Periode - eineinhalb Jahre ab Jänner - formulierte, beziehungsweise "Arbeiten auf Papier", wie Rollig es für ihren Abschnitt ab dem Sommer 2009 etwas weiter fasste. Zweigeteilt auch die zeitlichen Abschnitte des Zeitgenössischen: So konzentriert sich Matt auf die 1960er und 70er Jahre, Rollig schließt mit den 1980ern an.

Beginn mit Pallas Athene

"Es geht hier auch um eine Aufarbeitung jüngerer österreichischer Kunstgeschichte", erläuterte Rollig die größere Motivation. Das Parlament dient dabei nicht nur als Ausstellungsort, sondern unterstützt auch die Herausgabe zweier Monografien, in denen Künstler dieser Generationen in Interviews vorgestellt werden. Für Matt eine Gelegenheit, "endlich die Künstler, statt die Vermittler in den Vordergrund zu stellen" und ihnen die Möglichkeit zu geben "sich zu ihrer eigenen Zeit zu artikulieren." Den Künstlern wird außerdem zeitgleich eine Präsentation wichtiger Arbeiten in der Säulenhalle des Parlaments gewidmet sein.

"Größtenteils Österreicher" werden auch die anderen Räume, von den öffentlichen bis zu den Ausschuss-Zimmern des Hauses schmücken, schließlich soll an "einem Ort, der österreichische Lebensrealität so sehr mitbestimmt, auch die künstlerische Verarbeitung dieser Lebensrealität gewidmet sein", meinte Rollig. Etwas internationaler könnte es bei der Gestaltung des Außenraumes zugehen, der ebenfalls für die Kunst erschlossen werden soll. Das erste Projekt soll "das Nützliche mit dem Spannenden verbinden", wie Prammer ankündigte. So wird die "störende" Abdeckung des Pallas-Athene-Brunnen, die jeden Winter notwendig ist, künftig einen künstlerischen Auftrag erhalten. Ein Ideenwettbewerb ist in Planung. (APA)