Wien - Mit einem neuen, sicheren Speicher-Konzept für Wasserstoff wollen Wissenschafter der Austrian Research Centers (ARC) um den Physiker Martin Tajmar vor allem der Brennstoffzellen-Technologie auf die Sprünge helfen. Das neue Verfahren zur Speicherung des Brennstoffs in winzigen Glaskugeln soll schon bald praktisch eingesetzt werden, derzeit entsteht im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA ein Prototyp zum Einsatz in einem Satelliten.

Wasserstoff ist das Ausgangsmaterial, aus dem Brennstoffzellen ohne irgendwelche schädliche Abgase Strom erzeugen. Das Problem für den praktischen Einsatz war bisher die Speicherung des Wasserstoffs. Das Gas musste bisher entweder unter hohem Druck oder stark abgekühlt verflüssigt werden. Beides erfordert großen Aufwand bei der Lagerung und beim Transport.

Einschluss

Allerdings ist bereits bekannt, dass der unter Druck stehende Wasserstoff auch in winzigen Glaskügelchen eingeschlossen werden kann. Die einen Bruchteil eines Millimeter großen Kügelchen selbst sind dann völlig unproblematisch handzuhaben. Der Trick dabei ist, dass das Glas bei Zimmertemperatur für den Wasserstoff undurchlässig ist, erst bei Temperaturerhöhung wird es wieder frei. Allerdings würde dieses Aufheizen im praktischen Einsatz wieder für Probleme sorgen.

Alternative Methode

Die Seibersdorfer Forscher haben daher eine alternative Methode entwickelt. Der Wasserstoff wird unter Hochdruck von 600 bis 1.000 bar in den Mikrohohlkugeln aus Glas gespeichert. "Diese Kügelchen sind ganz fein und fühlen sich in der Masse wie Sand an", erklärte dazu ARC-Wissenschafter Marcus Keding. Das neue an dem Verfahren ist, dass die nötige Erwärmung zur Wiederfreisetzung des Gases chemisch bewerkstelligt wird. Die Kügelchen werden dazu mit einem Katalysator beschichtet und in Wasser gelagert.

Die Zugabe von Natriumborhydrid zu dem Wasser-Kugel-Gemisch bewirkt dann - beschleunigt über den Katalysator - die nötige Wärmeentwicklung, damit der Wasserstoff aus dem Inneren entweichen kann. Es steht dann etwa für den Betrieb einer Brennstoffzelle zur Verfügung. Praktisch läuft das Ganze in einem Brennraum ab. Zuerst werden die Kügelchen hinein gepumpt und dann Natriumborhydrid hinzu gespritzt. Die Zerstäubung führt zu einer zusätzlichen Beschleunigung der Reaktion. Die entleerten Glaskügelchen können wieder verwendet werden.

Einfache Lagerung

Der Hauptvorteil des neuen Verfahrens ist, dass es für die Lagerung von Kügelchen und Wasser einerseits und das Borhydrid andererseits keiner besonderer Behälter bedarf. Erst durch die Mischung wird die Sache gleichsam brisant. Die Seibersdorfer Innovation wurde beim niederösterreichischen "Genius-Wettbewerb" des Regionalen Innovationszentrum (RIZ) mit einem Sonderpreis geehrt. (APA)