Die Gesetze der Medienwelt können manchmal ganz schön ungerecht sein. Da ringt sich eine Mehrheit der SPÖ-Parlamentarier dazu durch, ihre Jahreseinkommen offenzulegen - doch alle Welt interessiert sich nur für die Dissidenten, die dies verweigern. Ein ähnliches Schicksal ereilte die Roten einst bei der Präsentation ihres "Braunen Flecken"-Berichts. Mutig stellte sich die SPÖ der eigenen Vergangenheit. Und erntete unangenehme Schlagzeilen über den skandalösen Umgang mancher Sozialdemokraten mit ehemaligen Nazis.

Beide Male fein raus war die ÖVP: Sie hat weder historische Nabelschau gehalten noch sich um mehr Transparenz geschert und war in beiden Fällen kein Thema, weder positiv noch negativ. Nichtstun kann sich manchmal lohnen.

Umso billiger ist nun die Kritik schwarzer Politiker an der lückenhaften Offenlegung des Koalitionspartner. Im Gegensatz zur SPÖ sträubt sich die ÖVP geschlossen gegen die Veröffentlichung der Nebeneinkünfte ihrer Mandatare - mit wenig überzeugenden Argumenten. "Privat muss privat bleiben", fordern ÖVP-Mandatare eisern. Doch die öffentliche Rolle eines Volksvertreters lässt sich nicht so einfach von der privaten trennen. Durch Geschäftskontakte entstehen Beziehungen und Loyalitäten, da muss nicht gleich direkte Bestechung im Spiel sein.

Ein Verbot für Zweitberufe wäre - im Sinne eines gut durchmischten Parlaments - falsch. Aber die Öffentlichkeit hat ein Anrecht darauf, zu wissen, welchen Konzernen Abgeordnete als Berater ihr Know-how gegen Entgelt zur Verfügung stellen, wenn sie gleichzeitig im Parlament Gesetze verabschieden, die denselben Unternehmen Millionen bringen oder kosten können. Wichtiger als die Gehaltsstatistik wäre deshalb die Veröffentlichung von Geschäftsbeziehungen. Auch wenn den Stammtischen die Millionenshow mehr Spaß macht. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.12.2007)