Wien - Einen Großauftrag aus Russland für die Ostsee-Pipeline meldet der börsenotierte oberösterreichische Stahlhersteller voestalpine. Die voestalpine Grobblech GmbH, ein Unternehmen der Division Stahl der voestalpine-Gruppe, hat mit dem russischen Röhrenwerk OMK einen Vertrag zur Lieferung von bis zu 200.000 Tonnen Grobblech für die Ostsee-Pipeline abgeschlossen. Das Auftragsvolumen für die erste Tranche wird mit rund 100 Mio. Euro angegeben.

Die voestalpine sei in einem internationalen Bieterverfahren für den technisch anspruchsvollsten Teil der Offshore-Gasleitung zwischen Russland und Deutschland ausgewählt worden. Für die voestalpine Grobblech GmbH sei dies der größte Einzelauftrag seit ihrem Bestehen, heißt es in einer Pressemitteilung von heute, Freitag. Unterzeichnet worden sei der Auftrag Ende November.

Rund die Hälfte der bis zu 200.000 Tonnen werde 2008 an die OMK geliefert. Die weiteren Volumina könne OMK in den Folgejahren bei der voestalpine abrufen. 2008 gehen rund 15 Prozent der gesamten Grobblech-Produktion der voestalpine zu OMK. Die Aussichten am Energiemarkt seien für die nächsten Jahre sehr gut, die Auftragsbücher bereits jetzt gut gefüllt.

Hohe Anforderungen

Es handle sich bei der Ostsee-Pipeline um eine der längsten Offshore-Gasleitungen der Welt, so Walter Buttinger, kaufmännischer Geschäftsführer der voestalpine Grobblech. Die technologischen Herausforderungen lägen in den extremen Temperaturbedingungen, wodurch die Belastungen für das Blech die Grenzen des technisch Machbaren erreichten. Im Auswahlverfahren seien auf Grund der hohen Anforderungen nur zwei Stahllieferanten übrig geblieben, die voestalpine Grobblech habe den technisch anspruchsvollsten Teil gewonnen. Mit entscheidend für den Erfolg sei die im Juli 2007 bei der voestalpine Stahl GmbH in Betrieb genommene Bogenstranggießanlage, die es ermöglicht, 355 Millimeter dicke Brammen zu erzeugen, die zu Grobblechen weiterverarbeitet werden. Die voestalpine Grobblech investiere derzeit rund 100 Mio. Euro in neue Technologien und die Erweiterung der Kapazitäten.

Die Nord Stream Pipeline wird insgesamt 1.200 Kilometer lang sein und quer durch die Ostsee verlaufen. In den Rohren wird ein Druck von bis zu 220 Bar herrschen. Eine zwischen 40 und 150 mm dicke Betonummantelung sorgt dafür, dass die Pipeline am bis zu 210 Meter tiefen Meeresboden verankert bleibt, dient aber auch als zusätzlicher Korrosionsschutz, heißt es in der heutigen Pressemitteilung. 27,5 Mrd. Kubikmeter Gas sollen ab 2010 durch den ersten Leitungsstrang strömen, in einer späteren Phase soll die Kapazität durch einen zweiten Leitungsstrang verdoppelt werden. Gefördert wird das Erdgas im Feld Yuzhno-Russkoye (Juschno-Russkoje), das über geschätzte Reserven von rund 1 Bill. Kubikmeter Gas verfügt. Die Gesamtinvestitionssumme für das Projekt beträgt mindestens 5 Mrd. Euro. Gebaut wird die Pipeline von der Nord Stream AG, einem Konsortium bestehend aus der russischen Gazprom sowie den deutschen Konzernen Wintershall Holding und E.ON Ruhrgas. (APA)