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Bali-Konferenz beschließt Fahrplan für Klimaschutz.

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Die UN-Klimakonferenz einigte sich nach einer dramatischen Schlusssitzung auf einen Fahrplan; auch US-Delegation stimmte zu. Nur wenige Stunden später kritisierte die USA bereits die erzielte Einigung, in der konkrete Zahlen fehlen.

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Nusa Dua - Nach dramatischen Verhandlungen wurde am Samstagnachmittag bei der UNO-Klimakonferenz auf Bali in der Schlussphase ein Mandat beschlossen. Knackpunkt war bis zuletzt eine Auseinandersetzung zwischen Entwicklungsländern und Industriestaaten zur Formulierung über die Verpflichtungen der ärmeren Länder in einem künftigen Klimaabkommen gewesen. Nach einem Kompromissvorschlag hatten zuerst die EU, danach auch die USA in den Kompromiss eingewilligt.

US-Kritik

Nur wenige Stunden nach dem Abschluss der Konferenz hat die US-Regierung jedoch dennoch den dort erzielten Kompromiss kritisiert. Das Weiße Haus erklärte, man sei "ernsthaft besorgt" über die Beschlüsse zur Verringerung der Emissionen von Treibhausgasen. Der Beschluss wird zwar als "wichtiger erster Schritt" gelobt, doch "auch die wichtigsten Entwicklungsländer müssen etwas unternehmen", heißt es mit Blick auf China, Indien und Brasilien weiter.

Emotionale Debatte

Delegierte aus 190 Ländern hatten zwei Wochen lang an dem Verhandlungsmandat gefeilt. Der Vorsitzende der Konferenz, Rachmat Witoelar, verkündete die Entscheidung nach einer emotionalen Debatte, in der die USA sich zunächst geweigert hatten, dem Kompromisspapier zuzustimmen. Nach ausschließlich kritischen Stellungnahmen und sogar Buhrufen lenkte die Delegation der Vereinigten Staaten schließlich ein. Ihr Land wolle der Einigung auf ein Schlussdokument nicht mehr im Wege stehen, sagte Delegationsleiterin Paula Dobriansky in einer dramatischen Schlusssitzung am Samstag. Die Einigung wurde unter Standing Ovations begrüßt.

Arbeitsgruppen bis 2009

Basierend auf dem Bali-Fahrplan soll bis 2009 eine neue weltweite Übereinkunft für die Zeit nach 2012 in Kopenhagen beschlossen werden. In zahlreichen Arbeitsgruppen müssen die Details bis dorthin in mehreren Sitzungen jährlich ausgearbeitet werden.

Kein konkreter Reduktionsrahmen

Ein konkreter Reduktionsrahmen für das Post-Kyoto-Verhandlungsmandat, den die EU angestrebt hatte, ist endgültig vom Tisch. In dem in der Nacht ausgearbeiteten Entwurf des Schlusspapiers für die Konferenz war am Samstag keine Rede mehr von konkreten Zahlen. Stattdessen fand sich in einer Fußnote ein Verweis auf den Bericht des wissenschaftlichen Klimagremiums der UNO, IPCC. In einer Fußnote wird auf konkrete Seiten in dem Bericht Bezug genommen. Vor allem die EU hatte sich bei der Klimakonferenz dafür stark gemacht, in das Verhandlungsmandat für das Post-Kyoto-Abkommen, das nach dem UNO-Fahrplan 2009 in Kopenhagen beschlossen werden soll, einen konkreten Korridor über die Emissionsminderungen festzulegen. Die USA hatten dies abgelehnt.

Appell von Ban Ki-moon

Die Sitzung hatte am Schluss an Dramatik zugenommen. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon war von einem Aufenthalt in Osttimor am Samstagvormittag an den Konferenzort zurückgekehrt und eindringlich an die Verhandler appelliert, zu einer Einigung zu kommen.

Anstrengende Verhandlungen

Wie anstrengend die Verhandlungen waren, die sich zunächst bis spät in die Nacht und schließlich bis zum Samstagnachmittag gezogen hatten, zeigte ein Auftritt des Chefs des UNO-Klimasekretariats, Yvo de Boer, vor der erfolgreichen Einigung. Vor den Delegierten der Konferenz versagte dem nahe dem Zusammenbruch wirkenden Niederländer die Stimme und er verließ unter Tränen den Saal. Auslöser war Kritik der Chinesen gewesen, bewusst eine Sitzung der Delegierten angesetzt zu haben, während in kleinem Kreis noch Verhandlungen im Gange seien. (APA)