Die Happy Hour: alter Schuh und alles doppelt? "Ski-Happy-Hour" funktioniert anders.

Foto: Steiermark Tourismus/Harry Schiffer
"Eines haben wir immer noch genommen", beschreibt am deutlichsten die Funktionsweise einer Happy Hour in der Skihütte. Nachdem man bereits zwei genommen hat. Warum soll dieses Pickenbleiben beim "edlen Spender" nicht auch auf einer Skipiste funktionieren? Das hat sich zumindest die Agentur Bindertrittenwein gedacht und gemeinsam mit Steiermark Tourismus die Kundenbindung per Skibindung erfunden: Skiurlaub gibt's jetzt ebenfalls nach dem Happy-Hour-System.

Touristische Happy Hours laufen aber anders ab als "alkoholische": Man hockt hier nicht am Tresen, sondern vor dem Bildschirm, der Kunde sieht das erstandene Produkt nicht doppelt, sondern nur einmal stark verbilligt. Kurzum: Die fröhlichen Stunden im Internet sind fix vorgebene Zeiten, zu denen man bekannte Produkte in geringer Stückzahl ermäßigt erwerben kann. Bewährt hat sich das System beim Flugticketverkauf zur Steigerung der Auslastung - seit einem Jahr wird es von "Ski-Happy-Hour" auch auf Skipässe angewandt.

Aber nicht nur, denn neben auslastungsbedürftigen Skigebieten versuchen auch renommierte Thermen und Beherbergungsbetriebe "Löcher" mit diesem Tool kurzfristig zu stopfen. Während einmal zum vergünstigten Fixpreis erworbene Skipässe meist die ganze Saison gültig bleiben, sind die Angebote der Unterkunftgeber freilich an einen bestimmten Termin gebunden.

Akute Buchungsrückstände oder -ausfälle können so aber auch zu einem Vorteil für den Kunden werden. Wer sich etwa partout jetzt noch einbildet, Weihnachten oder Silvester auf einer Hütte verbringen zu wollen, hat über dieses Internetportal realistische Chancen, diesen Wunsch zu realisieren. Ein Test hat ergeben, dass selbst über die Weihnachtstage noch eine 12-Personen-Hütte für sechs Tage inklusive Skipass am Kärntner Klippitztörl verfügbar ist. Allerdings gilt auch für den Kunden, dass nur volle Auslastung glücklich macht - nur wenn man wirklich zu zwölft anreist, ergibt sich der günstige Preis von € 170 pro Person für eine Woche Skiurlaub.

Ob, wann und wie viele Angebote die Partnerbetriebe bereitstellen, bleibt ihnen selbst überlassen. Hüttendörfer wie die "Hagan Lodge" im Ausseerland, die seit der Eröffnung bestens ausgelastet ist - weil direkt am Skihang -, behalten sich die Happy Hour lediglich als Notnagel für ihre ausgesprochen gut ausgestatteten Holzhütten im Salzkammergut vor.

Das "Ebay" der Skifahrer und Badenden unterscheidet sich von diesem anderen Portal in einigen wichtigen Punkten: Die Auktionsstunden sind bislang nur auf die Zeitspanne von 14 bis 24 Uhr jeden Montag und Donnerstag beschränkt. Außerdem wird hier nicht gesteigert, sondern immer nur zum Fixpreis vergeben. Die Zahlung wird zur Freude beider Vertragspartner zentral über das Portal abgewickelt, das bereits das E-Commerce-Gütesiegel trägt.

Um Zugang zu den Angeboten zu erhalten, muss man sich einmal kostenlos registrieren; ein Smiley kennzeichnet die Anzahl der verfügbaren Sonderangebote. Wenn nur einer lacht, freut sich meistens der Anbieter, der dann oft auch eine zweite Dienstleistung zum Normalpreis verkauft. (Sascha Aumüller/DER STANDARD/Printausgabe/15./16.12.2007)