Der Internationale Journalistenverband (IFJ) hat gegen die Ausweisung einer investigativen Reporterin aus Russland protestiert. Das offizielle Vorgehen gegen einen unabhängigen Journalismus bedrohe die Pressefreiheit in Russland, warnte der Verband am Sonntag in Brüssel. Wie der Radiosender "Echo Moskwy" berichtete, wurde die Journalistin Natalja Morar, die für das unabhängige russische Magazin "The New Times" arbeitet, in Moskau vom Inlandsgeheimdienst FSB festgenommen. Mit der Festnahme versuchten die russischen Behörden, Druck auf das Magazin auszuüben, sagte die stellvertretende Chefredakteurin Jewgenija Albaz dem Sender.

Die Redaktion kündigte eine Klage vor Gericht an. Der IFJ rief die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und den Europarat auf, den Fall zu untersuchen. Morar sei bei ihrer Rückkehr von einer Pressereise in Israel am Moskauer Flughafen Domodedewo festgenommen worden. Die Reporterin habe nicht nach Moskau einreisen dürfen, wo sie seit Jahren lebe. Sie sei stattdessen in ein Flugzeug in ihr Geburtsland Moldawien gesetzt worden.

Der IFJ vermutet hinter dem Vorfall eine Vergeltung für Morars Berichte über undurchsichtige Geldspenden an politische Parteien, darunter die Kremlpartei Geeintes Russland, für die Präsident Wladimir Putin bei der Dumawahl am 2. Dezember als Spitzenkandidat den Sieg errungen hatte. "Dieser Vorgang ist ein schockierender Verstoß gegen die Pressefreiheit und eine klare Warnung an andere, nicht zu versuchen, über die dunkle Seite der Politik im modernen Russland zu berichten", sagte IFJ-Generalsekretär Aidan White. (APA/dpa)