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Das zweite Saisontor, das dritte in der Bundesliga insgesamt, könnte für Sturms Aktie Sebastian Prödl auf längere Zeit auch das letzte gewesen sein.

Foto: REUTERS/Der Plankenauer
Graz/Wien - "Geil", sagt Sebastian Prödl, "ist kein schönes Wort. Aber es war ein geiles Jahr. Ich dürfte es eigentlich nicht vorbeigehen lassen." Das Jahr 2007 bescherte dem 20-Jährigen immerhin einen Stammplatz in der Innenverteidigung von Sturm Graz, die Kapitänswürde und Platz vier bei der U20-WM in Kanada, das Debüt in der A-Nationalmannschaft und wohl auch ein Fixleiberl für die EURO.

Bescheren könnte es auch noch einen Transfer zu einem europäischen Spitzenklub. Ein gutes Dutzend Scouts hat sich am Samstag im Heuler der 23. Bundesliga-Runde zwischen Sturm und Salzburg davon überzeugt, dass Prödl recht gut zum jeweiligen Arbeitgeber passen würde.

Prödl erzielte im ausverkauften Haus per Kopf Sturms Führung und hielt sonst die Abwehr der dem Meister prinzipiell unterlegenen Grazer zusammen. Dass das Spiel 1:1 endete und Prödl zum besten Grazer gewählt wurde, mag für die Interessenten weniger schwer wiegen. Für Prödl entschieden sollen sich bereits Werder Bremen und Frankreichs Serienmeister Olympique Lyon haben. Jetzt geht es einerseits noch ums Geld. Rund vier Millionen Euro soll die vielleicht größte ballesterische Preziose Österreichs schon kosten. Andererseits geht es aber um Prödl selbst.

"Das war sicher nicht mein letztes Spiel für Sturm", sagt er. Wann das nächste stattfindet - im kommenden Frühjahr oder erst irgendwann in den 2010er-Jahren - sagt er nicht. "Es ist nichts entschieden. Es wird sich auch heute nichts entscheiden. Und auch nicht morgen." Vielleicht aber bis zum Trainingsrestart von Sturm am 7. Jänner.

Prödl kippt ein kleines Bier, fixiert einen Punkt irgendwo an der Decke des Presseraumes in der UPC-Arena von Graz und sagt noch Sachen wie "Ich habe gezeigt, dass ich mit Druck umgehen kann, dass ich trotz aller witzigen Spekulationen den Kopf für das Spiel freihabe" oder "Ich möchte nicht wie eine Ware behandelt werden, sondern wie eine Respektsperson" oder "Sturm ist meine Heimat, meine Familie".

Diese Familie jetzt, eineinhalb Jahre vor Vertragsende in Graz und knapp sechs Monate vor der EURO, zu verlassen, könnte riskant sein. Im Sommer, nach einem Gebot in Höhe von 3,5 Millionen durch Rosenborg Trondheim, hat Prödl das Risiko gescheut. Die Familie, bald ein Jahr nach dem Zwangsausgleich nicht frei von finanziellen Sorgen, hätte ihn schon ziehen lassen.

Rat und Tat

Jetzt, also im Winter zu wechseln, könnte die Spielpraxis gefährden, auch wenn Prödl selbst daran keinen Gedanken verschwendet, "weil ich mir immer vornehme, im nächsten Jahr besser zu sein". Natürlich wird ihm, der (noch) keinen Manager hat, geraten werden. Etwa von Trainer Franco Foda, "aber im Endeffekt ist das seine eigene Entscheidung", sagt der Deutsche. Entscheidungsgewaltigere bei Sturm, Manager Walter Hörmann oder Präsident Hans Rinner, der zehn offizielle Anfragen für Prödl vorliegen hat, wollen das Budget in der kommenden Saison um zwei auf neun Millionen Euro heben und müssen daher fast für einen Transfer sein.

Hommage an Kartnig

Auf der Weihnachtsfeier am Sonntag, die vielleicht auch als kleine, feine Hommage an Ex-Chef Hannes Kartnig in einem neuen Kasino an der slowenischen Grenze gefeiert wurde, war Prödls Transfer auch das beherrschende Thema. Andere Personalien - Markus Schopp könnte zu seinem Stammklub zurückkehren - standen da zurück.

Natürlich wurde auch Red Bull Salzburg als mutmaßlicher Prödl-Interessent genannt, wie auch der AC Milan, AS Roma und Espanyol Barcelona. Und natürlich wird Salzburg in der Winterpause wieder investieren, vielleicht nicht unbedingt in Prödl.

Trainer Giovanni Trapattoni, der im gar nicht unwahrscheinlichen Fall, dass Salzburg wieder Meister wird, seinen Vertrag verlängern dürfte, verweist aber vorerst auf die Verletzten, "die ja zurückkehren". Ein Nein zu Neuen kommt vom 68-jährigen Italiener jedenfalls nicht. Nein ist ja auch kein schönes Wort. (Sigi Lützow, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 17. Dezember 2007)