Mailand - Der italienische Industriellenverband Confindustria hat am Wochenende zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate die Wachstumsprognose 2008 nach unten revidiert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde im kommenden Jahr nur um ein Prozent statt der noch vor kurzem prognostizierten 1,3 Prozent wachsen. Heuer liegt das Wachstum noch bei 1,9 Prozent. Der Grund für die Wachstumsverlangsamung sei auch in Italien der stagnierende private und öffentliche Verbrauch.

Eine weitere Schwachstelle der derzeitigen konjunkturellen Lage in Italien sei auch die Inflation. Die Teuerungsrate hat bereits im November 2007 ein Hoch von 2,6 Prozent erreicht und werde im Dezember weiterhin zunehmen, wird erwartet. Denn durch den viertägigen Frächterstreik sind die Preise für frisches Gemüse und Milch bis zu 30 Prozent gestiegen. "Das für 2008 prognostizierte Wachstum von ein Prozent hinkt dem EU-Schnitt nach und reicht nicht aus, um den Anschluss an die anderen Industriestaaten zu erhalten und das wirtschaftliche und soziale Ungleichgewicht des Landes wiederherzustellen", kommentierte der Vizepräsident von Confindustria, Andrea Pininfarina, die revidierte Wachstumsprognose. Die Ursachen für das schwache Wachstum seien größtenteils hausgemacht. Zwar werfen auch der schwache Dollar, der hohe Erdölpreis und die Konjunkturverlangsamung in den USA Schatten auf die italienische Wirtschaft. Größtes Übel seien aber die sinkende Wettbewerbsfähigkeit und der stagnierende Inlandsverbrauch. Leistungsschwach

Italiens Exporte haben in den letzten Jahren ihren Anteil am Weltmarkt von 4,5 Prozent auf drei Prozent verringert. Leistungsschwache Infrastrukturen, die aufwändige Bürokratie und mangelnde Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen sind dafür verantwortlich. Auch werden sich die Finanzkrise und die dadurch bedingten Zinserhöhungen bei Darlehen erst 2008 voll auf das Konsumverhalten in Italien auswirken, heißt es in der Prognose. Nachdem der private Konsum heuer noch um 1,9 Prozent wachsen soll, wird für 2008 mit maximal 1,5 Prozent gerechnet. Die realen Lohnerhöhungen von einem Prozent werden den Verbrauch weiter bremsen. Der öffentliche Verbrauch tritt infolge des chronischen Finanzmangels des Staates auf der Stelle. Dies alles werde die Staatsfinanzen auch weiter schwächen, Italien bleibt das meistverschuldete Land der Eurozone (Ziel 2008: 103,4 Prozent des BIP). (Thesy Kness-Bastaroli, Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.12.2007)