Bild nicht mehr verfügbar.

Wer nicht nur auf der Straße oder bei Battles breaken will, sondern von der "körperlichen Belastung" leben möchte, steckt sich ein hartes Ziel.

Foto: Reuters
Die junge Gruppe Nobulus ist dem Underground entstiegen und begeistert international mit ihren Theater-Performances.

*****

Wien/Salzburg - "Vorher hab ich Fußball gespielt, und dann hab ich Breakdance in einem Videoclip auf MTV gesehen", beschreibt der 17-jährige Vinzenz Wagner, Mitglied der Tanzgruppe Nobulus, den Beginn seiner Faszination für das "Breaken". Er belegte Kurse und traf bei den Trainings regelmäßig auf seine "Idole". Mit 14 fuhr er mit ihnen schon zu "Battles", 2005 fragten sie ihn, ob er mitmachen wolle. "Da hab ich gesagt: Ja, passt."

Neun Tänzer zwischen 17 und 27 aus Salzburg und Wien gründeten die Gruppe vor rund zehn Jahren. Beim letztjährigen internationalen Battle of the Year in Braunschweig (Deutschland) hatten sie mit "Out of the Shadow" die Undergroundszene überrascht, sie wurden daraufhin für einen Auftritt bei der Breaking Convention in London gebucht und waren zuletzt Mitte November als einzige ausländische Gruppe beim HipHop DanceFest in San Francisco zu sehen. Breaken zu Volksmusik

Nobulus zeichnet sich durch ihr besonderes Showkonzept aus: Die Gruppe breakt nicht nur zu HipHop und Funk, ihre Shows erzählen Geschichten, untermalt von Klassikstücken oder Filmmusik. "Wir haben sogar Volksmusik hergenommen, Breakdance mit Schuhplatteln", erklärt Alex Wengler, Art Director der Gruppe.

Ihn führte der Zufall zum Tanzen - und Michael Jackson, den er im Alter von fünf Jahren zu imitieren begann. Mittlerweile ist er für die Choreografie und Musik von Nobulus verantwortlich.

Das Entstehen der Tänze sei ein "Schaffensprozess, der dauert", erzählt Wengler. Er schneidet die Musik selber, bespricht aber die Choreografie mit den anderen. Dadurch entstehe ein "roter Faden, wie in einer Geschichte".

In ihrer neuen Show "Out of the Shadow" basiert der Tanzablauf auf einem selbstverfassten lyrischen Text und handelt von der "Entstehung der Welt aus dem Schatten und in den Schatten zurück".

Eine weiße Figur, der Erzähler, führt sieben Schattenfiguren, die sich zu Maschinen und Personen verwandeln, durch die Weltgeschichte. Nobulus erweitert die Show derzeit auf eine einstündige Performance. "Diese Stunde ist nur möglich durch die weiße Figur, durch die die anderen sieben immer wieder Pausen kriegen. Es bleibt aber enorm anstrengend", sagt Wengler.

Bei Nobulus ist Breakdance mehr als nur ein Sport oder Tanz, es ist Theater. "Jugendliche erfahren aus dem Fernsehen gerade mal, dass man sich auf dem Kopf drehen kann", kritisiert Wagner die falsche öffentliche Wahrnehmung. Es fehle aber auch an Institutionen, um Breakdance zu lernen, betont er. Die wenigen Angebote kenne kaum jemand. "Die meisten wissen nicht einmal, dass es Kurse gibt", ärgert er sich.

Vielen der jungen Kursteilnehmer mangelt es an Selbstdisziplin, fügt der 17-jährige Philipp Hagenhofer hinzu. Das Tanzen sei aber eine große körperliche Belastung. Die Gruppe trainiert fünfmal pro Woche, mindestens vier Stunden täglich.

"Die Freizeit geht verloren, da es wie ein Beruf ist", sagt Hagenhofer, der die Modeschule Hallein besucht und täglich bis zu drei Stunden trainiert. Die Schule habe für ihn noch die höchste Priorität, "doch ein Traum wäre schon, das Hobby zum Beruf zu machen". Auch Wagner, Schüler der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik in Salzburg, träumt von einer professionellen Karriere als Breakdance-Künstler, ansonsten "würde ich halt studieren". Denn in Österreich sei es trotz dem "Breakdance-Boom" derzeit schwer, davon zu leben: "Es wird vom Staat nicht unterstützt."

Er würde für sein Ziel auch ins Ausland gehen: "In Südkorea kann man gut davon leben, dort ist es wie Fußball bei uns." Dort habe sich Breakdance zu Akrobatik entwickelt, sagt Hagenhofer. Auch er will beim Tanz bleiben und "weiterhin um die Erde reisen". Neben der Arbeit bei Nobulus - er nennt es "das Theater" - konzentriert er sich in der Gruppe Fellows auf das "Battlen". Dabei gilt es in Undergroundszenen gegeneinander zu tanzen.

Alle in der Szene würden sich kennen. So etwas wie Feindschaften gebe es nicht, sagt er, höchstens eine "gewisse Spannung", aber "auf Battles ist es keineswegs so kriminell, wie es oft in den Filmen dargestellt wird". (Arian Lehner, Hannah Tiefengraber/DER STANDARD Printausgabe, 18. Dezember 2007)