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Foto: AP/Michael Probst
San Diego - Während zu langes und ungeschütztes Sonnenbaden als Hauptursache für Hautkrebs gilt, wird in einer neuen Studie der Mangel an Sonnenlicht mit einem erhöhten Lungenkrebs-Risiko in Verbindung gebracht - das richtige Maß macht es offenbar aus. Wissenschaftler der University of California haben nämlich herausgefunden, dass die Anzahl der Lungenkrebs-Erkrankungen in den Ländern am höchsten war, die am weitesten vom Äquator entfernt sind. Details der Studie wurden im "Journal of Epidemiology and Community Health" veröffentlicht.

Analyse

Die Wissenschaftler analysierten Daten aus 111 Ländern und verschiedenen Kontinenten. Das Rauchen stand am häufigsten direkt mit der Anzahl der Erkrankungen in Zusammenhang. Es wird für bis 85 Prozent aller Fälle verantwortlich gemacht. Aber auch der Kontakt mit Sonnenlicht, vor allem mit UVB-Licht, scheint einen Einfluss zu haben. Die Menge an UVB - die Hauptquelle für Vitamin D im menschlichen Körper - steigt mit der Nähe zum Äquator. Daher ist es nur logisch, dass in Äquatornähe auch die geringste Anzahl der Erkrankungen zu verzeichnen war. Zusätzlich spielen eine dichtere Wolkendecke und die Aerosolwerte eine Rolle. Laut dem leitenden Wissenschaftler Cedric Garland beginnt eine Erkrankung meist in den Epithelzellen, die die Oberfläche des Gewebes in der Lunge auskleiden. Beginnen die Zellen sich unkontrolliert zu teilen, ist die Krankheit ausgebrochen.

Funktion von Vitamin D

Garland erläuterte, dass Vitamin D die Freisetzung von Chemikalien stimuliert, die in Kombination mit Kalzium eine leimartige Substanz bilden, welche die entscheidenden Zellen eng aneinander bindet. Damit wird die unkontrollierte Zellteilung gestoppt. Zusätzlich gab es Hinweise darauf, dass Vitamin D das Fortschreiten einer bereits bestehenden Krebserkrankung verlangsamen kann. Der Wissenschaftler betonte, dass ein moderater Kontakt mit Sonnenlicht das Risiko an einem Melanom zu erkranken nicht entscheidend erhöht.

Die einzige Hautkrebsart, die mit einer geringen Menge an Sonne in Zusammenhang steht, ist das Plattenepithelkarzinom, das allerdings viel seltener zum Tod führt als Lungenkrebs. Ein moderater Kontakt mit Sonnenlicht ist bei fünf bis 15 Minuten in der Mittagszeit gegeben, wenn rund 40 Prozent der Haut unbedeckt sind.

Reaktion

Kat Arney vom Forschungsinstitut Cancer Research UK betonte, dass Rauchen bei weitem die Hauptursache für Lungenkrebs ist. Vitamin D sei zwar für die Gesundheit wichtig und helfe, das Risiko mancher Krebsarten zu reduzieren, aber der Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und Vitamin D bleibe unklar. Für die zitierte Studie wurde nämlich nicht der Vitamin D-Level der Menschen untersucht. Zudem müssten verschiedene andere Faktoren in Betracht gezogen werden, sagte Arney zu BBC. Zum Beispiel müssten Unterschiede beim Sonnenschutzverhalten in verschiedenen Ländern sowie die Unterschiede bei der Registrierung von Krebsfällen berücksichtigt werden. (pte/red)