Nach den jüngsten Entwicklungen - einem internen Prüfbericht der Bundespolizeidirektion Wien zufolge sind die Ermittlungen in der sogenannten Sauna-Affäre gegen den Betreiber eines als FKK-Sauna getarnten Bordells sowie den mit diesem bekannten vormaligen Leiter der Wiener Kriminalabteilung, Ernst Geiger, geführt worden, "obwohl von der Verdachtslage gesehen dafür keine objektiven Anhaltspunkte bestanden haben", wird auch die Staatsanwaltschaft Wien wieder tätig.

Anklage "gerechtfertigt"

"Wir haben inzwischen auch den Prüfbericht des Büros für Rechtsfragen und Datenschutz erhalten und werden uns anschauen, ob sich daraus neue Erkenntnisse gewinnen lassen", meinte Behördensprecher Gerhard Jarosch am Dienstag auf APA-Anfrage. Dass der Sauna-Betreiber wegen Menschenhandels, grenzüberschreitender Prostitution und Zuhälterei angeklagt wurde, sei "nach unserer Ansicht von der Verdachtslage her gerechtfertigt gewesen", hielt Jarosch fest.

Wiederholung des Geiger-Verfahrens im Februar

Auch die Anzeige gegen Geiger hätten der zuständige Staatsanwalt und sein Gruppenleiter sowie der U-Richter und die Ratskammer des Landesgerichts überprüft, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Aufgrund der vorhandenen Beweislage" sei es zu einer Anklage wegen Amtsmissbrauchs gekommen; verurteilt wurde Geiger wegen Weitergabe eines Amtsgeheimnisses - er soll dem Sauna-Betreiber im Voraus einen Razzia-Termin "gesteckt" haben. Der Oberste Gerichtshof hat die dafür verhängte Bewährungsstrafe von drei Monaten im vergangenen Herbst allerdings aufgehoben, das Verfahren gegen Geiger wird im kommenden Februar wiederholt.

Der Sauna-Geschäftsführer ist demgegenüber von sämtlichen Anklagepunkten rechtskräftig freigesprochen worden. Ob die gegen ihn geführten Ermittlungen zu gegen die damit befassten Beamten gerichteten Schritten der Staatsanwaltschaft führen, muss abgewartet werden: Das Büro für interne Angelegenheiten (BIA) wird zunächst den Sauna-Akt anhand des polizeiinternen Prüfberichts noch auf ein Mal aufarbeiten und auf etwaige Gesetzesverstöße untersuchen. (APA)