Wien - Die neugegründete Interessensvertretung der österreichischen Fleischbauern, die IG Fleisch, fordert mehr Geld für die heimischen Fleischproduzenten. Der Preis für Schweinefleisch soll im kommenden Jahr von derzeit 1,16 Euro pro Kilogramm auf mehr als zwei Euro steigen. Bei den Stieren soll der Preis von rund 2,90 Euro auf fünf Euro angehoben werden. Wenn diese Preise gezahlt werden, würden wieder Gewinne erwirtschaftet werden, hieß es am Dienstag vor Journalisten.

Ob es nach dem Vorbild der IG Milch, die im Handel mit der "fairen" Milch vertreten ist, auch bald "faires" Fleisch in den österreichischen Supermärkten gibt, ließ IG Fleisch-Gründer und Vorstand Leo Steinbichler noch offen. Es müsse zuerst mit den Schlachtbetrieben und dem Handel gesprochen werden. Auch die Konsumenten müssen die Qualität des österreichischen Fleisches zu schätzen lernen. Aus diesem Grund möchte die IG Fleisch künftig das Bewusstsein der Konsumenten bilden.

Neben höheren Erzeugerpreisen tritt die IG Fleisch auch für eine klar nachvollziehbare Fleischkennzeichnung ein. Die derzeitige Kennzeichnung stößt auf Widerstand, da nicht klar festgestellt werden kann, woher das Fleisch tatsächlich stammt. "Wo Österreich drauf steht, muss auch Österreich drin sein", forderte Steinbichler. Die derzeitige Regelung sieht vor, dass Tiere oder Fleischstücke, die nach Österreich importiert und hier geschlachtet bzw. verarbeitet werden, mit einem österreichischen Stempel versehen werden. Auch Fleisch mit dem AMA-Gütesiegel sei von diesem Gesetz betroffen.

Derzeit werden rund eine Million Stück Schweine und 100.000 Rinder entweder lebend oder in Form von Fleischstücken nach Österreich importiert, schätzte Steinbichler. Insgesamt werden in Österreich rund 5,2 Mio. Stück Schweine und 394.000 Stück Rinder konsumiert. Die importierten Schweine stammen meist aus den Niederlanden oder Dänemark, während die Rinder aus Polen, Tschechien oder Georgien nach Österreich kommen, erklärte Steinbichler.

2.000 Mitglieder

Derzeit hat die IG Fleisch nach eigenen Angaben 500 Mitglieder. Innerhalb des nächsten Jahres soll die IG Fleisch auf 2.000 Mitglieder angewachsen sein, die die Interessenvertretung mit einem Jahresbeitrag in Höhe von 25 Euro unterstützen.

Wie berichtet wurde Steinbichler nach der Gründung der IG Fleisch aus dem oberösterreichischen Bauernbund ausgeschlossen und musste auch seinen Hut als Landwirtschaftskammer-Obmann im Bezirk Vöcklabruck nehmen. Die Situation zwischen der IG Fleisch und der Landwirtschaftskammer hat sich nach Angaben von Steinbichler bis dato noch nicht entspannt. (APA)